Tipps rund um das Oktoberfest und ein Sprachführer – So kommst Du auf der Wiesn zurecht

Wie jedes Jahr Ende September öffnet weltgrößte Volksfest  seine Pforten und dann fließt das Bier in Strömen.

Du bist ein Wiesn-Neuling? Dann habe ich für Dich ein paar Tipps:

1. Anreise

Du willst mit dem Auto anreisen, vergiss es! Das Gelände um die Theresienwiese ist abgesperrt und ich verrate nichts überraschendes, wenn ich Dir erzähle, dass es massenhaft zu Alkoholkontrollen kommt und die Polizeipräsenz in Uniform und in Zivil ist immens.

Besser ist es in jedem Fall, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Du kannst mit der S-Bahn fahren und an der Hackerbrücke aussteigen. Dann folgst Du einfach den Massen, alle wollen zum Oktoberfest, Du kannst es gar nicht verfehlen.  Oder Du steigst am Hauptbahnhof in die U4 oder U5 und fährst in Richtung Theresienwiese. Dann steigst Du genau am Eingang zur Wiesn aus. Das sind die schnellsten Möglichkeiten, um hinzukommen, aber es gibt noch andere Möglichkeiten mit Bus oder Tram.

2. Zeitreise: Die Oide Wiesn und nostalgische Attraktionen

Etwas entspannter als auf der “normalen” Wiesn geht es nebenan auf der oidn Wiesn (der alten Wiesn) zu. 2010 fand die erste oide Wiesn zum 200jährigen Jubiläum statt und war so ein Erfolg, dass sie seit dem jährlich wiederholt wird.

Im Gegensatz zur Wiesn musst Du hier Eintritt zahlen. Das ist mit 3 Euro (2014) in Anbetracht der Preise auf dem Oktoberfest durchaus moderat, dafür gibt es viele historische Buden und Fahrgeschäfte, die nur einen Euro kosten. Der Eintritt lohnt sich also durchaus. Und Du bekommst hier meist eher einen Platz im Zelt. Seit die Armbändel eingeführt wurden, kannst Du auch das Gelände verlassen und wieder zurückkommen, ohne ein zweites Mal zu zahlen.

Aber auch auf der Wiesn selbst gibt es Attraktionen für Nostalgiker. So solltest Du einen Besuch beim Schichtl nicht versäumen. Das ist ein schönes Varieté-Theater und die traditionelle Enthauptung eines Gastes ist legendär.

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Die Krinoline und das Kettenkarussel sind genauso liebgewonnene Überbleibsel der guten alten Zeit wie das Weißbierkarussell und die nostalgische Orgel.

3. Wann solltest Du gehen?

Die Wirte ziehen am ersten Tag traditionell mit den Gespannen ein. Start ist um 10:50 in der Josephspitalstraße. Dann geht es weiter über die östliche Sonnenstraße, die  Schwanthalerstraße, die Hermann-Lingg-Straße und den Bavariaring auf die Theresienwiese zur Wirtsbudenstraße.

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Zum Anstich sind irgendwie alle da. Und wenn dann auch noch das Wetter passt, dann schieben Dich die Massen über das Gelände. Das muss man mögen und in einer größeren Clique hast Du eigentlich keine Chance, in ein Zelt ohne Reservierung zu kommen.

Der Trachtenumzug findet am nächsten Tag statt und geht um 10 Uhr in der Maximiliansstraße los. Der Zug schlängelt sich dann durch die ganze Innenstadt

Wenn es Mittag wird, der Himmel weiß-blau ist, dann gehe auf die Mittagswiesn, setze Dich raus und proste Deinem Tischnachbarn zu. Um diese Zeit triffst Du am ehesten die Münchner, die meisten Touristen kommen erst gegen Abend, wenn die Stimmung in den Zelten brodelt.

Und so grantig die Münchner angeblich sein sollen, bei einer Maß kommt man schnell ins Gespräch und Du weißt gar nicht, wie es Dir geschieht, schon wird es dunkel und Du sitzt immer noch da und ratschst.

Das zweite Wiesn-Wochenende ist traditionell das Italiener-Wochenende. Darauf stellt sich die Blaskapelle ein und spätestens bei “Sierra Madre” sind Deutschland und Italien bei einer Maß harmonisch singend vereint. Die Stimmung ist meist gut, aber wer nicht mit dem italienischen Temperament zurechtkommt, sollte besser einen anderen Tag wählen.

Es gibt auch nette Apps, wie das Wiesnbarometer, die Dir die Auslastung der Zelte verraten. Unter der Woche gegen Mittag sind die Chancen auf einen entspannten Besuch am größten.

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 4. Do´s und Don´ts im Zelt

  • Auf den Tischen (!) tanzen geht gar nicht, auf den Bänken ist es Pflicht ok, Tische, wenn Du die Security-Jungs näher kennenlernen willst
  • Spraydosen, egal ob Haarspray oder Deo, die werden am Eingang einkassiert, also lass sie gleich Daheim
  • Rauchen im Zelt ist verboten, aber das dürfte sich schon herumgesprochen haben
  • Masskrüge klauen ist kein Kavaliersdelikt und wenn Du erwischt wirst, wird’s unangenehm
  • Jungs, auch wenn die Madl zeigen, was sie haben, grabschen ist ein No Go!
  • Trinkgeld für die Bedienung ist Ehrensache und die nächste Maß kommt schneller, wenn Du nicht geizt
  • Zuprosten ist Pflicht

5. Essen und Trinken

Das beste Bier ist meiner Meinung nach das Augustiner. Das bekommst Du natürlich im Augustiner-Zelt oder beim Ammer.

Die Maß (bitte ein kurzes “a”!) sollte einen Liter fassen, kleinere Krüge gibt eigentlich nicht. Du bekommst auch das Wasser in den Literkrügen oder eine alkoholfreie Maß. Wenn Du ein Radler möchtest (Bier mit Limo, für die Norddeutschen: Alsterwasser), dann musst Du es Dir meist selbst zusammenmischen. Du bekommst eine normale Maß und dazu einen halben Liter Zitronenlimo in der Flasche.

Ein Russ ist kein Osteuropäer, sondern ein Weißbier mit Limonade.

Weißwürste dürfen traditionell das 12-Uhr-Läuten nicht hören. Du erhälst sie in einer Terrine und mit süßem Senf. Gern wird eine Breze dazu gegessen. Und wenn Du sie mit Pelle isst, dann outest Du Dich hoffnungslos als Touri. Entweder zuzelst Du sie (also saugst sie quasi aus) oder schneidest sie mit dem Messer der Länge nach auf und befreist dann die beiden Hälften von der Haut.

Obatzer ist auch ein traditionelles leckeres Gericht zum Bier. Das ist zerdrücker Camembert mit Zwiebeln und gewürzt mit Paprika.

Radi, also weißer Rettich, wird in Spiralen hauchdünn geschnitten und mit Salz gereicht.

Die meisten essen ein Hendl, also ein halbes gegrilltes Huhn. Das kommt in der Regel ohne Beilage, aber mit Petersilie. Auch da hat der Augustiner meiner Meinung nach mit die besten.

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In der Entenbraterei geht es etwas edler zu, da bekommst Du Ente und in der Ochsenbraterei, na, richtig… Ochs. Aber Hendl gibt es eigentlich überall.

Wenn das Essen sehr fettig war, kannst Du Dir ein Stamperl gönnen. Das ist ein klarer Schnaps, meist Williamsbirne oder Zwetschge.

In den Zelten zahlst Du übrigens bar oder Du hast Bier-/Hendl-Marken, aber auf dem Gelände gibt es Geldautomaten.

Ein Kaffee und Auszogne beim Käfer bilden meist den Abschluss eines Wiesnbesuches für mich.  Das ist nichts unanständiges, sondern leckeres Hefegebäck in Fett ausgebacken und mit Zucker betreut. Sehr lecker und garantiert nicht kalorienarm.

Und den Kaffee bitte im traditionellen Käfer-Haferl! Das zahlst Du und kannst es dann mitnehmen.

6. Sichere Wiesn für Frauen

Hinter dem Schottenhammel-Zelt gibt es für Frauen und Mädchen eine Anlaufstelle. Welcher Notfall vorliegt ist eigentlich egal und die Mitarbeiterinnen sind für alle Lagen geschult und mehrsprachig. Wenn Du belästigt wirst oder schlimmer, wende Dich an einen der Security Jungs mit dem Button der Aktion und sie bringen Dich zum Service Point. Dieser ist täglich von 18 Uhr bis 1 Uhr geöffnet, am Samstag schon um 15 Uhr.

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Natürlich kannst Du auch die Polizei ansprechen.

Den Frauennotruf erreichst Du unter 49 (0)89 70 30 48.

Weitere Infos und eine Sicherheits-App findest Du im Netz

Folgende Tipps solltest Du in jedem Fall befolgen:

  • Denke daran, dass das Wiesn-Bier stärker ist als das normale Bier, also pass bei der Menge auf. Trinke zwischendurch ein Wasser oder eine alkoholfreie Maß.
  • Lasse Dein Getränk nicht unbeaufsichtigt, es kommt vor, dass Mädels mit KO-Tropfen betäubt werden.
  • Gehe am Abend nicht allein hin und sei bei Bierzelt-Bekanntschaften vorsichtig.
  • Wenn Du müde oder zu betrunken bist, leg Dich bitte nicht irgendwo hin, sondern lass Dich zum Service Point bringen.
  • Höre auf Dein Bauchgefühl und wenn Dir ein Typ zu nahe kommt, werde laut.

7. Der Schleifen-Code

Um endlich einmal Klarheit zu bringen: Die Position der Schleife sagt, ob sich ein ernsthaftes Flirten lohnt. Auch wenn die Mädels mit Freundinnen unterwegs sind, lohnt sich ein Blick, bevor man sich zu sehr verguckt. Denn eines ist klar, ein Dirndl steht so ungefähr jeder Frau und fast jede sieht darin umwerfend aus.
Dabei ist zu beachten, die Schleife ist von der Warte der Frau aus zu sehen.

Also, das deutet es, wenn

  • die Schleife rechts ist: Rechts ist schlecht, Finger weg, die Frau ist vergeben
  • die Schleife links ist: die Dame ist noch zu haben
  • die Schleife vorn in der Mitte ist: Das Mädel ist Jungfrau
  • die Schleife hinten in der Mitte ist: verwitet oder Bedienung

8. Sprachführer

Für Nordlichter mag das Bayerische etwas schwierig zu verstehen sein, daher möchte ich Dir hier noch eine kleine Hilfestellung geben, damit Du Dich auch sprachlich zurecht findest und die Einheimischen verstehst:

Griasgood / Griasdi
Guten Tag / Grüß dich
Griaseichgood miteinand
Grüß Gott zusammen
Deaf I? / Ealaums?
Darf ich? / Erlauben Sie? Verlangt der Anstand, wenn Du Dich an einem Tisch dazusetzen willst.
bieseln
Urinieren
Schmaizler
Schnupftabak, wird gern angeboten und die Reaktion vor allem norddeutscher oder ausländischer Gäste sorgt  gern für Erheiterung
Host mi?
Hast du mich verstanden?
Ja mei
Hier kommt es auf die Betonung an: ein kurz gesprochenes “ja mei” bedeutet wenig Interesse, ein gedehntes “ja mei” mit steigender Stimmhöhe schon erfreutes Erstaunen und ein seufzendes “ja mei” höchste Anteilnahme.
Jaggal/Jancker
Jacke, auf der Wiesn ist es meist eine rustikale Strickjacke
Ja, leggst mi am Oarsch! / Ja, do legst di nieda!
Donnerwetter! Der Bayer drückt hier sein Erstaunen aus.
Aff / Depp / Hirsch
Hier macht der Ton die Musik, ist aber meist gutmütig-freundschaftlich und nicht als Beleidigung gemeint
Saupreiß
Jeder, der nördlich des Weißwurstäquators (=Donau) lebt, nicht immer freundlich gemeint
Bussl
Küsschen
Gschbusi
Geliebte/r
Gaudi
Spaß, Vergnügen
De hod Hoiz vor da Hüttn
Bezeichnet eine große Oberweite
Schleich di
Verschwinde! Dieser Aufforderung sollte man nachkommen.
Watschn / Fotzn
Ohrfeige
Dangschee
Danke
Servus / Pfiat di / Pfiat eich
Auf Wiedersehen, wobei Servus auch zur Begrüßung verwendet werden kann
Warst Du schon einmal auf dem Oktoberfest? Welche Tipps hast Du?
Bevor ich es vergesse, denke daran, dass Deine Grenzen nur im Kopf existieren.
 

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6 Kommentare

  1. Toller Bericht!
    Wir wollten dieses Jahr hin. Zum allerersten Mal. Die (Männer-) Grippe ist uns dazwischen gekommen. Das artet ja bei diesem Geschlecht immer gleich besonders aus. 😉

    Ich hatte im Vorfeld schon einiges gelesen, aber in deinem Beitrag habe ich doch noch einiges neues erfahren. Vielleicht sollte es so sein, dass wir nächstes Jahr erst fahren.

    Ist es immer noch wichtig, auf welcher Seite man seine Dirndl-Schleife trägt?

    Liebe Grüße
    Janneke

    1. Danke Dir Janneke 🙂
      Also es ist in jedem Fall ein Erlebnis und ich bin jedes Jahr mindestens ein Mal dort 🙂 Und ja, die Schleife ist wichtig: rechts ist vergeben, links auf der Suche.

      Viel Spaß und als Einstieg und sehr gemütlich ist die Oide Wiesn (die alte, traditionelle Wiesn).

      Liebe Grüße,
      Ivana

  2. Hallo Ivana,

    eine prima “Anleitung”

    Für Nostalgiker unbedingte Pflicht sind noch das Toboggan, das es auf der Wiesn schon seit 1933 gibt, das Teufelsrad (1910) und der Flohzirkus, der schon seit den 50er dort ist. Alles Dinge, die die Wiens trotz des Hypes einfach nett und persönlich machen.

    Viel Spaß auf der Wiesn

    Daniela

    1. Danke Dir und danke für die Ergänzungen. Eine habe ich auch noch, die Hexenschaukel !
      Spaß kann man auf der Wiesn in jedem Fall haben 🙂

      Viele Grüße,
      Ivana

  3. Mein letzter Wiesn-Besuch is zwar schon paar Jahre her, trotzdem urteile ich mal: Sehr guter Reisebericht!

    Zum Obazdn wäre vielleicht noch hinzuzufügen, dass der eigentlich immer mit Kümmel is (mag ja nicht jede/r).

    Und generell muss man mit einem fränkischen Dialekt in Bayern damit rechnen, dass man blöd angemacht wird – die meisten Einheimischen sind aber dennoch “tolerant” 😉

    1. Vielen Dank liebe Zaubi 🙂 Ganz ehrlich, an Kümmel im Obatzen kann ich mich grad bewusst nicht erinnern, aber wenn Du es sagt, wird es schon passen 😉 Und als assimilierte Unterfränkin geht es schon ganz gut mit den Oberbayern 😉

      Liebe Grüsse,
      Ivana

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