Arles – das kleine Rom der Provence

Von der Schweiz ist ja nicht soooo furchtbar weit in die Provence, da lohnt sich ein Ausflug auch für ein paar Tage. Für den Besuch bietet sich Arles an, denn es liegt schön zentral, es gibt viel zu sehen und auch die Umgebung bietet einiges für kleinere und größere Ausflüge.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Arles als das kleine Rom bezeichnet wird und wenn du dort bist, weißt du auch genau, warum.

Gerade wenn du wie ich alte Steine magst, dann ist Arles genau das Richtige für dich!

Da liegt das Amphitheater in Steinwurfnähe vom antiken römischen Theater und in Laufnähe gibt es noch die Konstantin-Therme und den Kryptoporikus. Und wenn du dann immer noch Lust auf römische Geschichte hast, dann solltest du das Musée de l`Arles antique besuchen. Den antiken Friedhof Alyscamps habe ich nicht mehr geschafft, aber es schadet ja auch nicht, wenn ich mir etwas für den nächsten Besuch aufhebe.

1. Amphitheater

Das Highlight von Arles ist natürlich das Amphitheater, das durchaus auch Ähnlichkeit mit dem Colosseum von Rom hat. Ok, es ist deutlich kleiner, aber dafür ein paar Jahre jünger. Früher fanden dort 25.000 Menschen statt. im römischen Colosseum waren es 50.000. Brot und Spiele waren eben bei den Römern sehr beliebt, auch wenn sie in der Provence, äh, Provinz, saßen.

Seit dem Mittelalter hat es 2 viereckige Türme, denn da diente es als Festung. Das passt zwar nicht so ganz, aber immerhin kannst du einen der Türme besteigen und hast einen tollen Blick auf die Altstadt. Da kann man die Bausünde verzeihen.

Viele Sitzreihen wurden inzwischen modernisiert und das Amphitheater wird heute auch wieder für Aufführungen und Stierkämpfe genutzt. Hier gibt es übrigens eine unblutige Variante, die Course Camarguaise, bei der dem Stier eine Kokarde, Kordeln und Quasten vom Kopf und den Hörnern abgerissen wird. Ob man sich das dennoch anschaut, ist Geschmacksache.

Ich finde es aber gut, dass das Amphitheater immer noch genutzt wird und man so ein wenig die Atmosphäre erleben und fast eine kleine Zeitreise machen kann.

2. Römisches Theater

Ein paar Schritte vom Amphitheater ist das römische Theater. Das ist schon architektonisch ganz anders, kein rundes, sondern ein halbrundes Bauwerk.

Vom Theater ist nicht mehr viel übrig, nur ein paar Säulen und eben die Sitzreihen. Ich gebe zu, da habe ich schon besser erhaltene gesehen, aber immerhin konnten sich in der Antike 10.000 Zuschauer ein Drama oder eine Komödie anschauen.

Wenn du nicht das Sammelticket für die Hauptsehenswürdigkeiten hast, kannst du auch nur durch die Gitter schauen. Unter uns… du verpasst nicht wirklich viel.

3. Konstantin-Therme

Die Therme fand ich schon wieder spannender, denn das war früher wirklich der gesellschaftliche Dreh- und Angelpunkt. Dort traf man sich zum Plaudern, machte Geschäfte und entspannte sich.

Ein wenig bekommst du schon einen Eindruck, auch wenn die Anlage nicht wirklich groß und auch nicht wirklich gut erhalten ist.

Die Therme liegt auch nahe an der Rhone. Du kannst dort eine kleine Pause einlegen und versuchen, dich an die ersten Zeilen von Caesars „De bello Gallico“ erinnern. So ging es mir zumindest. Meine Lateinlehrerin wäre stolz auf mich gewesen, denn immerhin bekomme ich noch den ersten Satz zusammen und das nach, naja, reden wir nicht darüber, x Jahren: „Gallia est omnis divisa in partes tres quarum incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam, qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.“

Arles Therme

4. Kryptoporticus

Wenn du den Kryptoporticus besuchst, tauchst du wirklich in die Römerzeit ein, denn dieser Gewölbegang war das Fundament des Forums, des zentralen Marktplatzes jeder römischen Stadt.

Die dunklen Kellergänge ziehen sich länger als gedacht. Die Luft ist feucht und ein wenig muffig. Hier und da liegen noch ein paar Kapitelle und Steine herum und wenn du dort allein bist, ist es schon ein wenig unheimlich. Wer weiß, vielleicht biegen ja doch Flavia oder Claudius um die Ecke, weil du aus Versehen durch ein Zeitportal gelaufen bist ;-).

Interessant ist der Besuch in jedem Fall und am Eingang bekommst du auch eine Erklärung in deutsch.

5. Antiken-Museum

Ein wenig außerhalb des Zentrums ist in der Nähe des ehemaligen Circus Maximus (du weißt schon, Wagenrennen, Ben Hur und so) das Musée départemental Arles antique.

Vom ehemaligen Circus ist nichts mehr übrig, aber im Museum gibt es ein kleines Model.

Das Museum lohnt sich wirklich, denn es ist sehr modern mit viel Platz und die einzelnen Stücke sind toll in Szene gesetzt.

Du begegnest dort übrigens dem guten alten Caesar und auch Augustus. Du erfährst auch so einiges über das römische Leben, wirklich spannend.

Ein Highlight ist sicher der antike Lastkahn, der vor ein paar Jahren geborgen wurde und nahezu vollständig erhalten war.

6. Altstadt

Die Altstadt von Arles ist durchaus überschaubar und du kannst einfach losbummeln, du wirst dich bestimmt nicht verlaufen. Und wenn doch, dann ist es nicht schlimm, lass dich einfach treiben.

Am bekanntesten ist sicher die romanische Kathedrale St.-Trophime d`Arles mit dem beeindruckenden Portal und Barbarossa wurde dort gekrönt.

Am Place du Forum findest du etliche Cafés, unter anderem auch das Café La Nuit, das Van Gogh in seinem berühmten Bild „Nachtcafé“ verewigt haben soll. Ok, ich fand es nicht so besonders spektakulär und es soll eine ziemliche überteuerte Touristenfalle sein, die vom Nimbus eines meiner Lieblingsmaler lebt.

7. Meine Reisetipps:

Besorge dir eine Kombi-Karte, wenn du die antiken Stätten besuchen willst. Das lohnt sich und es sind auch noch etliche andere Museen und Sehenswürdigkeiten mit inbegriffen.

Gerade wenn am Samstag Wochenmarkt ist, wird es eng mit den Parkplätzen. Sich durch die Einbahnstrassen zu manövrieren ist auch kein wirkliches Vergnügen. Suche dir daher am besten ein Parkhaus in der Nähe der Altstadt, das ist am stressfreiesten.

Ich habe zu Mittag bei Chez Felix gegessen. Das ist ein kleines schnuckeliges Restaurant direkt am Amphitheater, in dem es auch vegetarisches und veganes Essen gibt. Allein der Blick ist schon traumhaft, der Service sehr freundlich und das Essen wirklich lecker.

Auch wenn dein Französisch aus der Schulzeit stammt, so wie meines, solltest du es ausmotten und vielleicht mit einer App wie Busuu oder Duolingo ein wenig auffrischen. Du wirst den Unterschied merken, wenn du mit paar Broken Französisch sprichst.

Lavendel und die Provence gehören einfach zusammen und natürlich gehört ätherisches Lavendelöl zu den beliebten Mitbringseln. Achte beim Kauf darauf, dass es Huile Essentielle Lavande de Provence ist und nicht Lavandin. Das ist ein Lavendel-Hybrid, der qualitativ nicht so hochwertig ist und daher auch günstiger.

Der Lavendel blüht übrigens von Anfang/Mitte Juni bis Anfang/Mitte August. Ich war beim letzten Mal zu früh dran, aber wie gesagt, ich wollte mir auch etwas für die nächste Reise in die Provence aufheben.

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