Reisebericht aus Italien (2002): Lucca – Siena – Massa Marittima

Lucca – nett, aber nicht das Highlight

Am nächsten Tag stand Lucca auf dem Programm. Die Stadt wird uns als „Die Teure“ in Erinnerung bleiben, denn auf der Piazza dell´ Anfiteatro haben wir ein Vermögen für 2 Kaffee und Toast bezahlt und obendrein ein Ticket wegen Falschparken kassiert. Und was gibt es sonst über die Stadt zu erzählen? Nun, der interessanteste und schönste Platz ist sicher besagte Piazza. Der Name ist fast Programm, denn im Mittelalter wurden die Wohnhäuser auf den Fundamenten des römischen Amphitheaters errichtet. Daher kommt auch die ovale Form des Platzes, der auch unter dem Namen Piazza del Mercato bekannt ist. Lucca ist auch für seine Stadtmauer bekannt.

Man kann um die ganze Altstadt herum auf der Stadtmauer gehen. Sie ist so breit, dass sich Fußgänger, Inline-Skater und Radfahrer nicht in die Quere kommen. Sogar für kleine Parkanlagen und Bänke ist noch genug Platz. Wer den Dom sucht, braucht übrigens einen vernünftigen Plan. Sonst stolpert man wirklich überall überHinweisschilder zu den Hauptsehenswürdigkeiten, bloß den Duomo in Lucca hat man vergessen und so suchten wir ewig nach der Kirche. Wir haben sie auch tatsächlich irgendwann gefunden, aber auf eine große Besichtigung hatten wir dann auch keine Lust. Meine (und auch Olavs) Meinung zu Lucca: Nett gesehen zu haben, aber kein absolutes Muss bei einer Toskana-Tour.

Siena – Schöner als Florenz

Am nächsten Tag besuchten wir Siena und das war wirklich eines der Highlights der Woche. Siena wird ja gern als die schönste Stadt Italiens bezeichnet. Nun, keine Ahnung, ob das stimmt, aber schön ist sie. Da die Innenstadt eigentlich für Autos gesperrt ist, darf man sich außerhalb der Stadtmauern ein Plätzchen suchen. So, wie in den Reiseführern beschrieben, den Schildern „Fortezza“ oder „Stadio Communale“ folgen kann man vergessen. Wir haben keine Schilder gesehen und auch ein Kollege, der zur gleichen Zeit in Siena war, hat sie auch gesucht und genauso wenig gefunden. Also einfach intuitiv fahren, den Schildern „Centro“ folgen und wenn man die parkenden Autos den Hügel hinauf sieht, dann sollte man auch langsam die Augen offen halten und nach einem Parkplatz suchen. Aber nicht in die gelb markierten Bereiche stellen, Knöllchen- und Abschleppgefahr! Dagegen haben die Hinweise der Reiseführer auf gutes Schuhwerk durchaus ihre Berechtigung. Ich würde ohnehin jedem Toskana-Besucher Trekkingschuhe empfehlen. Ist zwar nicht der neueste Florentiner Chic, aber die Füße werden´s Euch danken.

DIE Sehenswürdigkeit (neben dem berühmten Platz) ist der Dom Santa Maria, der 1210 begonnen wurde. Der Fußboden aus dem 16. Jhdt. ist dabei die Attraktion, denn er ist ein Bilderbuch. 56 Motive, zumeist natürlich biblischen Ursprungs sind in den Marmor geritzt. Die Ritzungen sind meist mit Teer ausgefüllt, aber es gibt auch viele, die aus Mosaiken oder verschiedenfarbigen Marmorstücken bestehen. Wir hatten das Riesenglück, dass gerade zu der Zeit eine Sonderausstellung war und so gut wie alle Bilder zu bestaunen waren, denn meist sind sie mit Teppich bedeckt, um sie zu schonen.

Die Kirche selbst ist auch wunderschön, die Decke ein gemalter Sternenhimmel. In einer Seitenkapelle kann man Fresken von Pinturicchio aus dem 15. Jhdt. bestaunen. Die Farben sind so leuchtend und frisch, dass man meinen könnte, der Maler wäre gestern fertig geworden. Wenn man übrigens vom Dom Richtung Baptisterium geht und sich wundert, was es mit den Ruinen auf sich hat, nun, der Dom sollte ursprünglich vergrößert werden und das heutige Hauptschiff wäre dann das Querschiff geworden. Die Kirche wäre dann das größte gotische Bauwerk Italiens geworden. Pest und Geldmangel setzten dem aber im 14. Jhdt. ein Ende.

Wer durch Siena läuft, wird oft eine Wölfin sehen, die 2 Jungen säugt. Ich zumindest kannte nur die Geschichte von Romulus und Remus, die von einer Wölfin großgezogen wurden. Romulus gründete Rom, der Rest ist Geschichte. Aber hier in Siena? Nun, des Rätsels Lösung lautet Familientradition. Die Söhne von Remus, Aschinus und Senius, sind ebenfalls von einer Wölfin genährt worden und haben dann Siena gegründet. Nach soviel Kultur ging´s dann zur berühmten Piazza. Dort kann man sich in ein Cafe setzen (teuer!) oder, wenn man einfach nur was zum Essen haben will, sich eine Take-Away-Pizza holen (ich glaube, es war links vom Palazzo Publico) und sich gemütlich mitten auf den Platz setzen und das Treiben beobachten. Studenten, Touristen aus aller Herren Länder, jeder trifft sich dort. Und der Platz lädt wirklich zum Verweilen ein. Zweimal im Jahr ist er übrigens Schauplatz eines Pferderennens, des Palio. Dann treten die 17 Contrade der verschiedenen Stadtbezirke Sienas gegeneinander an. Früher waren die Contrade kleine Dörfer auf den Hügeln der Stadt, die sich zu einer Selbstverwaltung und auch zu Verteidigungszwecken zusammengeschlossen haben. Heute noch spielen die Contrade eine zentrale Rolle in der Stadt. Zu einer Contrada gehört man mit der Geburt und man kann nicht wechseln. Und diese Contrade kämpfen um den Sieg beim Pferderennen. Die Ehre steht auf dem Spiel und während der Vorbereitungszeit und des Rennens befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand. Nichts geht mehr und wehe, wenn in einer Familie (z.B. durche Heirat) mehrere Contrade vertreten sind. Wer das miterleben möchte, muss sich wirklich früh um Hotel und Zuschauerplatz bemühen. Aber ich kann mir vorstellen, dass sich das lohnt.

Massa Marittima – Unterschätzer kleiner Ort im Süden

Der letzte Ort, den wir auf unserer Reise besuchten, war Massa Marittima. Wir wollten uns nach den letzten Tagen nicht auch noch die Touristenmassen in Florenz geben und fuhren daher in die südliche Toskana. Die Fahrt allein war schon recht interessant, denn die Landschaft war nicht typsich Toskana, sondern viele Wälder und ein Tal wurde von einem Wärmekraftwerk beherrscht. Massa Marittima dagegen ist ein kleiner netter Ort etwas abseits der Touristenströme, der wieder typisch für diese Ecke ist. Ein schöner Platz, eine helle freundliche Kirche, enge kleine Gassen, die einen ins Mittelalter zurückversetzen. Und man kann sich wieder ein Essen auf der Piazza leisten 😉 Einfach ein schöner Ausklang für eine schöne Woche.

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