Bei den Toraja – Ehre den Lebenden und Toten

Ja, Sulawesi und die Toraja faszinieren mich und daher gibt es noch einen Beitrag, in dem ich Dir noch ein wenig über die Toten und die Lebenden erzähle.

Über die Toten

Die Toraja haben viele Rituale und Traditionen rund um den Tod, denn nach ihrem alten Glauben stammen sie von den Sternen und kehren mit dem Tod wieder dahin zurück. Entsprechend wichtig und aufwändig sind die Reisevorbereitungen. Über die Bestattungszeremonie habe ich schon geschrieben. Den Artikel solltest Du aber nur lesen, wenn Du nicht besonders empfindlich bist, denn die Bilderund Beschreibungen sind nicht wirklich etwas für empfindliche Naturen.

Sobald die Rituale vollzogen sind, werden die Menschen ganz unterschiedlich bestattet.

1. Babygräber

Stirbt ein Säugling, der noch keine Zähne hat, dann wird in einen besonderen Baum ein Loch geschlagen und das Kind im Baum bestattet. Es lehrt quasi wieder zu Mutter Natur in den Bauch des Baumes zurück. Und wie der Baum wächst, so wächst auch die Seele des Babies mit. Ich finde das eigentlich eine schöne Tradition.

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2. Felsengräber

In monatelanger Handarbeit werden in Felsen Grabeshallen reingeschlagen, ganz wie in alten Zeiten ohne Presslufthammer oder andere technische Hilfsmittel.
Die Höhlen bieten Platz für bis zu 10 Familienmitglieder. In einem Felsen liegt ein Clan oder eine Gemeinschaft, in jeder Höhle eine Familie.
Wenn die Höhlen mit einer Tür verschlossen sind, dann bedeutet das, dass noch Platz ist. Ist die Kammer offen, ist kein Platz mehr und eine neue Höhle muss dem harten Stein abgerungen werden.
Wenn an einer Tür ein Hut hängt, bedeutet das, dass die Großmutter/Ahnin dort bestattet wurde.
Vor den Felsen liegen oft die Särge herum und verrotten, nur die Körper kommen in die Höhle. Der Sinn dahinter ist ganz banal: die Särge würden nur Platz verbrauchen und der ist kostbar.

 

3. Hängende Gräber

An manchen Orten siehst Du Sarkophage unter den Felsendecken befestigt. Sie sind aus Holz und haben die Gestalt von Schweinen, Büffeln oder Schiffen, ähnlich wie die Häuserdächer. Mit der Zeit verrotten sie und zerfallen, die Knochen fallen dann auf den Boden und werden in die Höhlen gebracht.
Oft siehst Du hier auch Zigaretten bei den Schädeln. Das sind Opfergaben für die Ahnen.

4. Gräber der Vornehmen und Reichen

Adelige oder sozial hochgestellte Persönlichkeiten werden ebrnfalls in Felsengräbern bestattet. Das Besondere ist aber bei diesen Verstorbenen, dass für sie Stellvertreter-Figuren, sogenannte Tau-Taus geschnitzt werden. Diese Tau-Taus werden hoch oben in den Felswänden platziert oder auch in natürlichen Höhlen, wo die Holzsärge hingebracht werden. Bei neuen Gräbern stehen sie in einem Glaskasten vor dem Eingang zum Mausoleum.
Die Kleider werden regelmäßig gewechselt, wenn sie schon zerfallen. Mit ausgestreckten Armen heißen sie ihre Nachfahren willkommen, wenn sie sie besuchen.

Über die Lebenden

Bei meinem Besuch in Londa hatte ich das Glück, dass ich zufällig in eine Hochzeit geraten bin. Das war schon ein ziemliches Kontrastprogramm nach der Totenzeremonie am Vortag, aber so durfte ich zwei der wichtigsten Ereignisse im Leben eines jeden Menschen hier ganz traditionell erleben.

Ähnlich wie bei der anderen Feier waren hier in einem Rechteck überdachte Pavillons aufgebaut, in der Mitte ein toll dekorierten Pavillon für das Brautpaar. Ich weiß nicht, was tagsüber schon alles passiert ist, aber als ich kam, kam gerade das Brautpaar und schritt durch ein Spalier von traditionell gekleideten jungen Frauen. Dann setzten sie sich unter den Baldachin auf hohe Stühle, ließen sich Luft zufächern und beobachteten das Ganze.
Ein Zeremonienmeister und verschiedene Gäste erzählten alles mögliche, ich nehme an, es waren viele guten Ratschläge für das gemeinsame Leben.
Dann tanzten kleine Mädchen mit Pompons, war richtig süß! Das Brautpaar erhob sich und ging wieder, nicht ohne vorher Geld für die Gruppe in einen Karton zu werfen. Danach haben alle Gäste auch Geld in den Karton geworfen, ich natürlich auch, denn ich fand es toll, auch hier zuzusehen. Neben mir waren auch noch andere westliche Touristen da, ganz anders als gestern bei der Beerdigung.
Dann wurde das Buffet eröffnet und jeder konnte sich etwas zu essen nehmen.
Das Brautpaar kam wieder, jetzt in traditionelle Tracht gekleidet. Junge Frauen tanzten noch in traditioneller Kleidung, eine sogar auf einer Trommel.
Anschließend wurde das Brautpaar, genau wie bei uns, von allen Angehörigen und Freunden beglückwünscht und damit war die Zeremonie zu Ende.
Ehen werden hier übrigens immer noch arrangiert. Vielleicht haben die Brautleute deshalb so ernst geschaut, eben weil sie nicht so genau wissen, was sie erwartet.

Zwei Tage später war auch noch einmal eine Hochzeit in meinem Hotel mit noch deutlich mehr Pomp und Aufwand. Das war schon recht spektakulär, aber auch hier waren die Menschen sehr freundlich und haben mich aufgefordert, doch näher zu kommen und Bilder zu machen. Ob das bei uns auch umgekehrt so der Fall wäre?

Ich habe mich ehrlich gesagt gefreut, dass ich auch zusehen durfte, zumal auch der Anlass ein freudiger war. Hochzeiten siehst Du wohl eher selten, Tana Toraja ist eher für die Bestattungsrituale bekannt. Wenn Du, so wie ich Glück hast, kannst Du beides erleben.
Wenn sich so eine Gelegenheit bietet, lass sie Dir nicht entgehen, denn je mehr Gäste da sind, desto besser für die Familie. Und ausländische Gäste erhöhen das Ansehen noch mehr.

Und jetzt Du! An welchen ungewöhnlichen Festen konntest Du schon teilnehmen oder welche würdest Du gern erleben?

 

Noch ein ganz heißer Tipp von mir: Melissa und Petra von den Indojunkies haben ein ganz tolles Buch (Werbung) über Sulawesi geschrieben. Ich habe nur einen kleinen Teil gesehen, aber in ihrem Buch (Werbung) erfährst Du alles über diese Insel und ihre noch kaum bekannten Trauminseln und Völker.
Das Buch (Werbung) macht Lust auf mehr Sulawesi und ich fahre sicher noch einmal hin, gerade jetzt mit meinem Tauchschein.
Hol Dir auch das Buch (Werbung) und einen Vorgeschmack auf eine der spannendsten Inseln Indonesiens!

Bevor ich es vergesse, denke daran, dass Deine Grenzen nur im Kopf existieren.

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