Was tun, wenn unterwegs der Katzenjammer kommt?

Keine Angst, jetzt kommt trotz Beitragsbild und Titel kein Cat content, sondern es geht um praktische Tipps, wenn Du mal unterwegs den Katzenjammer bekommst.

Ich wette, dagegen ist niemand immun. Irgendwas geht irgendwann immer schief, Du bist schon eine Weile unterwegs und vermisst Deine Freunde, Deine Familie, Deinen Freund/Mann, das Essen ist doof, Du kennst keinen Menschen, das ewige “What´s your name?”, “Where are you from?” und Traveller-Geplänkel geht Dir auf den Nerv, dann ist es soweit… Du fragst Dich, welcher Teufel Dich geritten hat, dass Du nun hier sitzt, weit weg von allen, die Du magst, in einem fremden Land, am besten noch da, wo Du noch nicht einmal die Schrift entziffern kannst.

Glaube mir, so toll das allein reisen auch ist, ich komme immer irgendwann an den Punkt. Und nun will ich Dir verraten, was ich mache, damit es mir wieder besser geht, wenn mich unterwegs der Frust packt.

1. Kontakt halten

Das ist der simpelste Weg. Wenn Du ein Smartphone hast und die Zeitverschiebung passt, ruf eine Freundin, einen Freund per Skype an und quatsche mit ihr oder mit ihm. Das tut gut und wenn Du es regelmäßig machst, dann kommt kein großer Katzenjammer, denn Du weißt, was zu Hause abgeht, Du hältst Kontakt und fühlst Dich nicht abgeschnitten, nicht allein. Und wenn Du auch noch eine Frontkamera hast, dann sehen sie dich zu Hause und Du siehst sie.
Schreib einen Blog, poste auf Facebook und freue Dich über die Kommentare oder einen Chat.

Ich kann Dir sagen, von solchen technischen Errungenschaften habe ich vor mehr als 20 Jahren noch nicht einmal zu träumen gewagt. Mir blieben nur die folgenden Strategien, denn telefonieren war so was von teuer und unzuverlässig, dass ich es nie gemacht habe…

2. Fotos von Freunden, Familie & Co.

Sind meist gut, können aber auch die Situation verschlimmern.

Bei meinem letzten Aufenthalt in Indien (ich wusste nicht, werden es ein oder sechs Monate) hatte ich ein kleines Fotobuch dabei. Das war ehrlich gesagt das erste Mal, dass ich Bilder von Freunden und Familie dabei hatte. Es war gut, denn so konnte ich mir am Abend die Fotos anschauen und es ging mir auch besser. War natürlich kein Vergleich zum Skypen, aber immerhin von Strom und WiFi unabhängig.

3. Raus gehen

Ist meiner Meinung nach eine der besten Strategien und hat mir oft geholfen. Das ist auch ehrlich gesagt der Grund, warum ich meist dann doch in Backpackergegenden wie der Khao San in Bangkok oder Paharganj in Delhi absteige. Nicht, weil ich das Nachtleben dort sooo toll finde, nein. Ich gehe dort hin, weil dort auch andere Backpacker sind und viele sind allein unterwegs.

Geh raus, geh was essen, schau Dich um, wer vielleicht auch allein am Tisch sitzt. Wenn Dir diese Person einigermaßen sympathisch ist, dann frag, ob Du Dich dazusetzen kannst und beginne ein Gespräch. Du kannst das nicht? Glaub mir, Du kannst! Ich bin ein eher ruhiger Mensch und würde das in Deutschland nie tun. Aber Reisen bringt Dich an Deine Grenzen und weiter. Und das ist für mich eine Grenze, die ich zu überschreiten gelernt habe. Und Du kannst das auch, glaube mir, ich weiß wirklich, wovon ich rede!

4. Tagebuch schreiben

Das kann ich in jedem Fall empfehlen, egal ob Katzenjammer oder nicht. Tagebuch schreiben hilft Dir, Deine Gedanken zu sortieren, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen und die Highlights einfach festzuhalten. Deinem Tagebuch kannst Du alles anvertrauen, auch Deine Zweifel, deinen Frust und Deinen Ärger. Sich das alles von der Seele zu schreiben hilft zumindest mir und Du solltest es vielleicht auch einmal versuchen.

5. Nächsten Tag / nächste Tage planen

Ein wenig die nahe Zukunft zu planen hat gleich mehrere positive Effekte:

Erst einmal lenkt es Dich von Deinen trüben Gedanken ab.

Dann macht es auch durchaus Sinn, sich mit so wichtigen Dingen zu befassen, wie Du von A nach B kommst, wo Du schlafen wirst, ob noch genug Geld in der Kasse ist etc. Sich mit der Reiseorganisation zu befassen, zu planen, was Du die nächsten Tage machen willst, die Gedanken in neue Bahnen und die Gedanken kreisen nicht ständig um den letzten Ärger.

Du hast etwas, vorauf Du Dich freuen kannst.

Wenn Du Dich mit jemand über Deine Pläne unterhälst, findest Du vielleicht einen netten Reisekumpel für ein paar Tage, mit dem das Reisen noch mehr Spaß macht.

6. Dir klar machen, dass es Deine Entscheidung war

Du bist da, wo Du bist, weil Du es so wolltest. Wenn Du eine Reise allein machst, dann begibst Du Dich raus aus Deiner Komfortzone. Du gehst raus, weil Du es willst und Du Deine Grenzen kennenlernen willst, überschreiten willst. Kein Mensch hat Dich dazu gezwungen, das Ticket zu buchen und in den Flieger zu steigen. Du warst es, Du ganz allein. Klingt hart? Mag sein, ist aber so. Es war Deine Entscheidung, aber es ist auch eine Herausforderung, an der Du wachsen wirst.

Du musst keinem Menschen erzählen, dass es Dir mal mies gegangen ist, wenn Du wieder zu Hause bist. Nur Du wirst wissen, dass nicht alles soooo toll war. Aber Du weißt, dass Du Dich durchgebissen hast und darauf kannst Du stolz sein. Die anderen, die nie aus ihrem Wohlfühlbereich rausgehen, sie werden sich kaum entwickeln. Du bist rausgegangen, hast Dich Deinen Ängsten gestellt und sie überwunden. Und hej, darauf kannst Du stolz sein!

7. Deine Einstellung reflektieren

Ja, is klar… Ich bin nicht erleuchtet, aber mir hat es schon oft geholfen, auch mal den Kopf einzuschalten. Ich versuche zwar, auch auf mein Bauchgefühl zu hören, aber mal ehrlich, manchmal ist es auch sinnvoll, das Hirn einzuschalten. Und wenn der Katzenjammer kommt, dann bist Du eh emotional und noch mehr davon, na Bravo…

Im Ernst, es kann wirklich sinnvoll sein, gedanklich einen Schritt zurückzutreten und Dir mal Deine Situation rational zu betrachten. OK, Du bist weit weg und alles ist sch…lecht. Gut, aber jetzt überlege mal, was kannst Du daran ändern? Jetzt, genau in der Minuten? Hm? Flug umbuchen? Klar, aber wann geht der?

Nach Hause skypen? Wie ist es mit der Zeitverschiebung? Wenn Du einen wirklichen Seelentröster erreichst, gut. Wenn nicht, Pech… Oder doch nicht? Du bist gerade irgendwo, egal wo, aber die meisten, die Du kennst, beneiden Dich wahrscheinlich darum. Nicht wirklich hilfreich, aber vielleicht doch ein wenig.

Und denk mal nach, wie waren denn die letzen Tage? Waren sie wirklich so schlimm oder hast Du Heimweh? Ja, auch das kann einem die tollste Reise vermiesen, aber so unter uns…

Was ist wirklich mies? Das Essen? Dann nimm ein paar Euro mehr in die Hand und gönn Dir morgen was Gutes. Die letzte Fahrt war Horror? Ja, kann sein, aber die liegt hinter Dir. Und buche das nächste Mal eine Klasse komfortabler, wenn es Dein Budget zulässt.

Du fühlst Dich allein? Mach was dagegen! Skype mit der Heimat oder geh raus und in eine Traveller-Kneipe oder schau mal in die Lobby Deines Hostels, ob da nicht jemand Nettes ist.

Vieles ist wirklich eine Kopfsache, eine Einstellung. Und Du kannst das ändern, sonst niemand.

Was sind Deine Tipps gegen Katzenjammer? Teile sie mit uns und schreib einen Kommentar!
Bevor ich es vergesse, denke daran, dass Deine Grenzen nur im Kopf existieren.

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2 Kommentare

  1. “What the hell am I doing here?!” hab ich mich oft unterwegs gefragt. Aber immer mit einem inneren Schmunzeln. Ich war mir immer bewusst. warum ich unterwegs war. Smartphones gab es damals noch nicht, als ich auf großer Reise war. Und bei kürzeren Reisen kommt so ein “Katzenjammer” eher nicht vor. Ich bin weiter gereist, immer auch in dem Bewusstsein, dass diese große Reise eine einmalige Chance war, dass ich nie wieder eine solche Gelegenheit bekommen würde. Und den ganz großen “Katzenjammer” habe ich sowieso nie verspürt. Ich hatte immer die nächsten Ziele im Auge. Oder ich habe mir unterwegs mal einen Tag “Auszeit” gegönnt: Ein gutes Buch, ein ordentliches Bett: da konnte ich auch schon mal den ganzen Tag im Bett verbringen trotz aller Sehenswürdigkeiten und spannender Umgebung.
    LG
    Ulrike

    1. Author

      Hallo Ulrike,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Oft überkommt mich ja der Katzenjammer auch nicht, mal sehen, wie es demnächst bei drei Monaten sein wird.

      Ich denke, Auszeiten sind wichtig, um die Batterien wieder aufzuladen, auch, wenn man unterwegs ist.
      Mich würde mal interessieren, wie viele sich noch an die smartphone- und internetfreie Zeit erinnern können 😉

      Liebe Grüße,
      Ivana

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