Montenegro, das Land der Schwarzen Berge

Welche Bilder kommen Dir in den Sinn, wenn Du Montenegro, Kosovo, Mazedonien oder Albanien hörst? Ich muss gestehen, außer dem Balkankrieg und dass bis auf Albanien die Länder mal zu Jugoslawien gehört haben weiß ich nichts über diese kleinen Länder auf dem Balkan. Grund genug, da einmal vorbeizuschauen und mir anzusehen, was es da so alles gibt.

Um einen ersten kompakten Eindruck über die Region zu bekommen, war ich entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten mit einer Gruppe unterwegs.

Geflogen bin ich nach Montenegro in die Hauptstadt Podgorica.
Ich bin auch das erste Mal mit Montenegro Airlines geflogen. Für die knapp zwei Stunden war es völlig ok, aber ich empfehle Dir, eine belegte Semmel mitzunehmen oder vorher am Flughafen etwas zu essen. Das Gummibrötchen mit so etwas wie Industriemarmelade ist nicht wirklich ein kulinarischer Hochgenuss.

Der Flieger, eine Fogger 100, hat auch schon bessere Tage gesehen, aber es war, wie gesagt, für den kurzen Flug völlig ok.

Podgorica

Der Flughafen und die Hauptstadt Podgorica sind beide überschaubar, aber das ist auch kein Wunder, denn Montenegro ist etwas kleiner als Schleswig-Holstein und hat gerade mal 625.000 Einwohner und nein, ich habe keine Null vergessen.

Podgorica hast Du recht schnell erkundet, es gibt eine Haupt-/Prachtstraße, die ab 17 Uhr zur Fußgängerzone wird. Blöd, wenn man da sein Auto geparkt hat, denn es wird rigoros abgeschleppt. Wenn Du mit dem Mietwagen unterwegs bist, pass also auf, wo Du ihn abstellst.

Es gibt ein paar nette Cafes, aber wirklich viel zu sehen gibt es im Zentrum nicht.

Kolasin

Die Fahrt ging dann gleich weiter durch die Moraca-Schlucht. Der Fluss Moraca schlängelt sich zwischen steil aufragenden Felsen, das Wasser ist klar und flaschengrün, die Straßen kurvig und schmal, da kann es schon auch einmal eng werden.

Die Landschaft ist beeindruckend und auf der Moraca kannst Du auch Wildwasserrafting machen. Heuer war der Wasserstand aber recht niedrig, da die Flüsse von den schneebedeckten Gipfeln der umliegenden Berge gespeist werden, aber dieses Jahr war recht wenig Schnee vorhanden.

Selbst im Wintersportort Kolasin ist es auf 1080 Metern Höhe recht angenehmen, zumindest im Juni. Ehrlich gesagt fand ich es schon recht überraschend, dass man hier auch Ski fahren kann, aber das wäre es doch für Wintersportfans: Morgens die Piste runterbrettern und dann am Nachmittag ans Meer fahren.

Skutarisee

Der Skutarisee ist der größte See auf dem Balkan und mit dem Bergpanorama ist die Lage wirklich spektakulär. Der See ist auch wegen seiner Vogelwelt bekannt und Du kannst mit ein wenig Glück auch Pelikane und Flamingos sehen. Bei mir hat es nur für Haubentaucher, Kormorane und Möwen gereicht, aber auch das war schön.

Du solltest in jedem Fall eine Bootstour machen, am besten noch mit Verkostung. Da bekommst Du eine Art Grappa, Wein, Käse und eine Art ausgebackenes Hefegebäck, das Du in Honig tunken kannst, sehr lecker! Und vom See aus wirkt die Umgebung wirklich unglaublich.

Zudem siehst Du auch noch die Überreste des montenegrinischen Alkatraz, einer kleinen Gefängnisinsel. Betreten kannst Du sie nicht, aber das Boot fährt einmal herum und ich glaube, besonders komfortabel waren die Zellen nicht gerade, vor allem nicht bei Hochwasser. Die Insel ist nicht besonders weit vom Ufer entfernt, aber wenn Du nicht schwimmen kannst, dann ist auch das schon eine unüberwindliche Hürde und so richtig fies – die Freiheit zum Greifen nah und doch unerreichbar.

Cetinje

Bevor Podgorica die Hauptstadt Montenegros wurde, war es Cetinje und ich muss zugeben, dieser nette kleine Ort hat schon mehr Flair.

Leider sind noch die Straßen nicht gerade im besten Zustand, vor allem, wenn Du von Budvar kommst. Dafür ist die Strecke spektakulär und wenn Du Glück hast, dann hängen gerade keine Wolken in den Bergen oder sie reißen im richtigen Augenblick auf und geben die Sicht frei auf die Buchten mit dem tiefblauen und türkisfarbenen Meer.

In Cetinje kannst Du Dir den Palast von König Nikola anschauen. Wenn Du schon die Königsschlösser in Bayern oder in Frankreich gesehen hast, dann wirst Du vermutlich enttäuscht sein, denn die Royals lebten dort recht bescheiden und von Prunk und Protz wirst Du nicht viel sehen. Aber interessant ist es allemal und Du bekommst auch einen kleinen Einblick in die Geschichte.

Wenn Du Glück hast, dann kannst Du Dir auch die Kirche Sveti Petar Cetinjski anschauen. Ich hatte leider keine Zeit, eine halbe Stunde zu warten, das ist halt der Knackpunkt, wenn Du mit einer Gruppe unterwegs bist.
Ansonsten hat das nette Städtchen Cafés, einige alte Prachtbauten (die früheren Botschaften) und noch ein paar Kirchen sowie ein Museum zu bieten.

Von Budva ist es in Verbindung mit Kotor und Perast auf jeden Fall einen Besuch wert.

Njegusi

Wenn Du weiter nach Perast fährst, wirst Du übrigens durch das Dorf Njegusi kommen.

Mach dort unbedingt in der ältesten Gaststätte des Landes, die 1881 eröffnet wurde, Halt und genieße dort den typischen Schinken, Käse und Wein. Und vielleicht auch noch den Schnaps in der Räucherkammer. Der kommt einen Grappa recht nahe und hat es in sich. Du wirst dort überall an der Straße ein ähnliches Angebot für eine Brotzeit finden, aber bei Kod Pera na Bukovicu kannst Du auch schön draußen sitzen, während Du Dir die Brotzeit schmecken lässt.

Perast

Dieser Ort ist wirklich klein, aber die Landschaft mit den Bergen, die fast fjordähnlich ist, lohnt schon allein die Anreise.

Du kannst mit dem Boot eine etwa einstündige Rundfahrt auf dem See machen oder eines der Pendelboote zur Klosterinsel Maria am Felsen nehmen.

Die Kirche ist recht schön und Du wirst dort unheimlich viele Opfergaben vor allem von Frauen finden, die für die Rückkehr ihrer Männer gebetet haben. Da gibt es von silbernen Votivtafeln über Bügeleisen bis hin zu einem Schirm so ungefähr alles. Besonders beeindruckend ist ein gestickten Votivbild, an dem die Frau 25 Jahre gesessen ist. Leider hat sich ihre Bitte nicht erfüllt.

In Perast kannst Du dann auch in einem der kleinen Cafés am Ufer noch etwas essen, bevor Du weiterfährst.

Kotor

Mit Kotor besuchst Du eine grandiose Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und von Lonely Planet zu einer der Top 10 Städte 2016 gekürt wurde.

Über der Stadt thront die Festung und die Altstadt selbst ist noch komplett von der Stadtmauer umgeben. Damit ist diese Befestigungsanlage nach der chinesischen Mauer und Stadtmauer von Dubrovnik die drittlängste Befestigungsanlage der Welt.

Innerhalb der Mauern läufst Du am besten los und lässt Dich durch die kleinen Gassen treiben. Gönne Dir ein Eis oder ein Bier und dann schaue Dir die Kirche des Hl. Trifun an. Die Ursprünge sind romanisch, aber es gibt auch Elemente aus späteren Epochen. Wenn Du die Treppe hochsteigst, dann kommst Du zur Schatzkammer mit vielen Reliquienschreinen und hast auch einen schönen Blick auf den Platz vor der Kathedrale.

Du kannst auch zur Burg hinauf laufen, aber da brauchst Du etwas Puste. Zur Kirche auf etwa halber Höhe benötigst Du etwa 25 Minuten und dann geht es noch ein gutes Stück weiter. Ich gebe zu, ich bin nicht rauf, ich war lieber in der Altstadt unterwegs. Aber der Blick muss sicher toll sein.

Wenn gerade die Kreuzfahrtpassagiere Ausgang haben, dann kann es schon ein wenig voll werden, aber irgendwie verläuft es sich dann doch, vor allem, wenn Du ein wenig abseits der Plätze und der Kathedrale unterwegs bist. Am späteren Nachmittag sollte es aber wieder etwas ruhiger sein.

Kotor ist ein unheimlich netter Ort und war mir dort auch aufgefallen ist, die Menschen haben eine Schwäche für Katzen. Es gibt ein Katzenmuseum, Magnete mit Katzen, Postkarten, Taschen und T-Shirts mit den Samtpfoten und ein paar lebende Exemplare natürlich auch. Warum die Stadt so katzenverrückt ist, habe ich leider nicht herausbekommen. Wenn Du es weißt, dann freue ich mich über eine Erklärung!

Achja, das Montenegro heißt übrigens übersetzt tatsächlich Land der schwarzen Berge. Der Name kommt von den dunklen Wäldern, die die Berge bedeckt haben.

Organisatorisches

In Montenegro zahlst Du ganz bequem mit dem Euro. Das ist die offizielle Landeswährung, Du musst also kein Geld wechseln.

Einreisen kannst Du mit dem Personalausweis, aber wenn Du mit dem Reisepass einreist, dann bekommst Du einen Stempel *yeah*!

Die Steckdosen sehen aus wie bei uns und Du brauchst keinen Adapter.

Die Schrift ist meist lateinisch, aber es gibt auch Bezeichnung in kyrillischer Schrift.

Mit Englisch kommst Du durch, aber ein paar Brocken Montenegrinisch, Serbisch oder Kroatisch können nicht schaden. Da es ein Multi-Kulti-Land ist, sind hier viele Sprachen gebräuchlich.

Mit dem Mietwagen solltest Du gut herumkommen. Das Land ist recht klein und von der Infrastruktur (Busse etc.) (noch) nicht wirklich auf Backpacker eingerichtet. Es gibt zwar Busse, aber deren Zielpublikum sind nicht Touristen, sondern die Einheimischen.

Ich habe im Hotel Bianca in Kolasin übernachtet und kann es wärmstens empfehlen.
Das Internet funktioniert einwandfrei, das Personal ist sehr nett und das Zimmer war top. Zum Abendessen gibt es ein Buffet, so dass Du Dir aussuchen kannst, was Du magst und das Nachtischbuffet ist lecker. Getränke gehen extra und mit 2,50 für 0,3l Bier ist es aber kein Schnäppchen.

Der lokale trockene Rotwein Vranac ist übrigens auch recht lecker und passt gut zu den Fleischgerichten oder um den Tag einfach gepflegt ausklingen zu lassen.

In Becici/Budva war ich im Hotel Queen of Montenegro. Ich durfte einen Balkon mit Meerblick am Abend genießen und ein schönes Zimmer.
Als Naschkatze fand ich am Abend das Nachtischbuffet genial und bin vor allem nach der Schokonachspeise mit den Früchten schier geplatzt.
Ich wäre gern noch in den Pool gesprungen, aber der schließt um 20 Uhr und da war ich leider zu spät dran. Aber immerhin hat das Hotel einen eigenen Strandabschnitt und eine Fußgängerbrücke bringt Dich sicher über die Straße. Der Strand ist ein Mix aus Kies und Sand und es gibt jede Menge Liegen und Sonnenschirme.
Im Hotel hast Du kostenloses Internet, aber es ist etwas schwach auf der Brust, Du wirst öfter mal rausgeschmissen und es ist nicht gerade superschnell.

Und jetzt Du! Warst Du schon einmal in Montenegro? Könntest Du Dir eine Reise dorthin vorstellen oder hast vielleicht sogar ein paar Tipps? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!
Bevor ich es vergesse, denke daran, dass Deine Grenzen nur im Kopf existieren.

{Offenlegung: Zu dieser Reise wurde ich von Mac Sun Travel eingeladen. Vielen Dank dafür! Auf meinen Bericht hat das keinen Einfluss und mir wurden auch keine Vorgaben hinsichtlich des Inhalts gemacht.}

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