Wie man sich bettet – 6 Tipps zur Unterkunftssuche

Zugegeben, ich hänge noch ein bisschen den guten alten Zeiten nach, wo man die Guest Houses abgeklappert hat, von einer Unterkunft zur anderen gezogen ist… und manchmal auch recht frustriert war, weil nichts passendes dabei war oder das Hostel belegt. Früher hatte man seinen Reiseführer dabei oder hat sich ab und an auf einen Schlepper verlassen. Das ist heute ganz anders und Du willst sicher mehr handfeste Tipps und weniger Nostalgie, also legen wir los: Für die Suche nach einer Herberge stehen Dir viele Möglichkeiten offen:

1. Portale

Dank des Internets und WiFi bzw. WLAN, Smartphones und Tablets kannst Du heute bequem über verschiedenste Portale wie z.B.  booking.com (Werbung) Deine Unterkunft im Voraus buchen, auch wenn Du schon im Land selbst bist. Das hat den immensen Vorteil, dass Du schon weißt, wo Du schlafen wirst, weißt, wie viel es Dich kostet und Du Dich auch informieren kannst, wie andere Reisende diese Unterkunft bewertet haben, ob sie zu empfehlen ist oder nicht.

Die Infos sind superaktuell und oft gibt es auch etliche Bilder online, so dass Du weißt, auf was Du Dich so in etwa einlässt. Du bekommst eine Buchungsbestätigung und wenn es Dir woanders doch besser gefällt, kannst Du unter Einhaltung bestimmter Stornofristen (können von Unterkunft zu Unterkunft unterschiedlich sein) auch kostenlos Dein Zimmer wieder absagen oder umbuchen. Alles in allem ist das wirklich eine prima Sache, die ich sowohl in Europa, in Italien zum Beispiel, oder in Asien, da z.B. auf Sri Lanka, gern nutze.

Im Einzelfall kann es passieren, dass Dein Zimmer doch nicht den Erwartungen entspricht, dann solltest Du es auch stornieren können. Oder es ist schon vergeben und wenn Du Glück hast, gibt es ein anderes Zimmer und Du hast eine gute Verhandlungsbasis. So ist es mir zumindest in Ella / Sri Lanka gegangen. Da war das Zimmer weg, aber ich habe zum gleichen Preis ein größeres mit Terrasse bekommen. Glück muss der Mensch haben… Mit Portalen habe ich insgesamt gute Erfahrungen gemacht. unterkunft_03

2. Reiseführer

Noch mehr als bei den Portalen besteht hier die Gefahr, dass alle in die empfohlenen Guest Houses wollen und vor allem die kleinen schnell voll sind. Sich nur auf den Reiseführer zu verlassen, hat aber auch noch andere Nachteile: Die Infos im gedruckten Buch sind mindestens ein Jahr alt, können daher aufgrund von Inhaberwechsel etc. schon von den Preisen her total veraltet und einfach falsch sein.

Die Auswahl ist natürlich aufgrund der immer noch zu ertragenden Dicke des Buches beschränkt und auch Telefonnummer oder Email-/ Internetadresse können nicht mehr stimmen. Als Inspiration und um sich anhand einer Karte einen Überblick zu verschaffen, wo viele Unterkünfte sind, ok, aber sonst inzwischen weniger geeignet. Und ich muss zugeben, ich habe auch in der Vor-Internet-Ära in den seltensten Fällen in den vom Reiseführer empfohlenen Unterkünften geschlafen.

3. Schlepper

Das sind die Jungs, die wie Heuschrecken über jedes westlich aussehenden Wesen herfallen, das aus einem Bus oder Zug steigt oder den Bahnhof verlässt. Sie quatschen Dich an und erzählen Dir, dass jemand aus der Familie ein Guest House hat, die anderen dreckig und eklig oder voll sind, sie noch ein tolles Zimmer haben, sie Dir einen super Preis machen und Dich umsonst hinfahren.

Manchmal kommen sie erst im Nachhinein damit um´s Eck, sagen Dir erst zu, Dich in das Guest House Deiner Wahl zu fahren und dann fahren sie Dich doch woanders hin und erzählen Dir dann die ganzen Geschichten. Jeder Reiseführer warnt vor ihnen, zugegeben, aber ganz ehrlich, es muss nicht die schlimmste Wahl sein.

Wenn Du, aus welchen Gründen auch immer irgendwo ankommst, am besten noch am Abend oder in der Nacht, kein Bett reserviert hast, dann können die Jungs echt eine Alternative sein. Und manchmal stimmt die Geschichte mit der Familie auch wirklich. So ist es mir in Luang Prabang/Laos ergangen. Ich dachte natürlich auch, dass es die übliche Masche ist, aber ich war müde und fertig und hatte wirklich keine Lust, ewig nach einer Herberge zu suchen (das war die Zeit vor meinem ersten Smartphone, zugegeben…). Also habe ich dem Jungen vertraut. Der Preis war wirklich absolut fair, denn ich habe mich aus Neugier in der Gegend umgeschaut, das Zimmer schön und sauber und er hat tatsächlich zur Familie gehört, ich habe ihn dort öfter lernen sehen.

Was ich damit sagen will, ja, es verdienen sich viele der Burschen mit den Provisionen ihren Lebensunterhalt, was an sich ok ist, manchmal greift man daneben, aber man kann genauso gut Glück haben, probiere es einfach aus und höre auf auch hier auf Dein Bauchgefühl. unterkunft_02

4. Couchsurfing

Habe ich, zugegeben, noch nicht probiert, würde mich aber doch mal reizen, aber da nur bei Mädels. Worum geht es? Auf einem Portal finden sich Menschen, die ein Bett suchen und Menschen, die ein Bett anbieten. Das Ganze ist kostenlos und schon in über 200 Ländern möglich.

Die Vorteile sind klar: Du kommst kostenlos zu einer Übernachtungsmöglichkeit und, das ist viel wichtiger, Du bekommst Einblick in den Alltag der Menschen in Deinem Reiseland, denn Du wohnst nicht in einem Hotel, Hostel oder Guest House, sondern bei ganz normalen Menschen. Dein Gastgeber wird Dir sicher viel über seine Heimat erzählen, Dir vielleicht Tipps für Deinen Aufenthalt geben und wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus auch eine Freundschaft.

Aber Couchsurfing ist nicht für jeden geeignet: Sowohl Du als auch Dein Gastgeber muss Vertrauen haben, dass eben nichts komisches passiert, denn Du bist in einem fremden Land in einer fremden Wohnung. Dadurch, dass ihr euch aber beide registrieren müsst, ist zumindest für ein Mindestmaß an Sicherheit gesorgt. Wie gesagt, ich kann hier nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber ausprobieren würde ich es schon einmal.

5. Selber ohne Plan losziehen

Das war mal der Klassiker… Irgendwo ankommen, sich vielleicht in einer Ecke absetzen lassen, wo es viele Unterkünfte gibt, z.B. die Khao San in Bangkok und dann losziehen und persönlich die Unterkünfte abklappern. Das ist zwar mühsam, aber es hat den Vorteil, dass Du gleich siehst, was Du bekommst (hast Du nicht zwingend bei den Buchungen über Portale, Fotos können schon mal im Einzelfall beschönigen) und Du kannst vor Ort gut verhandeln (bei einem Portal zahlst Du, was dort steht, das hat aber auch den Vorteil, dass Du nicht mehr herumdiskutieren musst).

Der Nachteil ist natürlich, dass Du nicht weißt, wo Du unterkommst, zu welchem Preis und wenn Du Pech hast, läufst Du Dir die Füße platt, weil Du gerade mitten in der Nacht zur Hochsaison angekommen bist und alles voll ist. Dann musst Du leider nehmen, was noch zu haben ist. Tja, um wieder nostalgisch zu werden, früher war das der normale Weg. Jetzt, wo viele online buchen, ist das zwar immer noch eine Möglichkeit, aber es kann schwierig werden.

6. Camping

Ist sicher eine Option in westlichen Ländern, also hier in Europa, in den USA, Australien, Neuseeland und auch üblich. In Neuseeland gibt es z.B. etliche Campingplätze und auch wenn Du nur mit dem Auto und ohne Zelt unterwegs bist, kann es eine Alternative sein. Ich habe mir ab und an den “Luxus” eines Campingplatzes gegönnt (und damit den von eigenen vier Wänden), wenn ich keine Lust auf einen Schlafsaal hatte und mal meine Ruhe wollte.

Da gab es die unterschiedlichsten Varianten, vom ausrangierten Wohnwagen über eine Cabin (also einen größeren Wohncontainer) bis hin zur gemütlichen Kiefernholzhütte am See. Klar, die Küchen und sanitären Einrichtungen gehören allen, aber wenigstens schnarcht Dir keiner die Ohren voll und Du hast mal wieder Raum für Dich. In Ländern, wo Campen unüblich ist. würde ich auch dringend davon abraten.

In Asien oder Indien leben nur die ganz Armen unter Planen (also quasi im Zelt) und damit stellst Du Dich mit ihnen auf eine Stufe. Das versteht dort kein Mensch, wieso jemand, der aus dem Westen kommt und sich das teure Ticket leisten kann, unter einer Plane wohnt und nicht in einem Hotel oder Guest House.Im schlimmsten Fall wirst Du genauso behandelt, also bist quasi rechtlos und für Frauen kann das fatal enden. Camping also ja, aber es kommt darauf an, wo!

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Welche Tipps hast Du noch? Ich freue mich über Deine Ergänzungen und Kommentare!
Bevor ich es vergesse, denke daran, dass Deine Grenzen nur im Kopf existieren.
 
 

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4 Kommentare

  1. Hi Ivana,

    danke für den guten Überblick. Ich bin meistens per Couchsurfing unterwegs. Meine Erfahrungen sind vorwiegend positiv. Man muss sich auf jeden Fall darauf einstellen, dass die Chemie zwischen Host und Surfer nicht passen könnte und wie immer dem Bauchgefühl vertrauen. Die Eindrücke, die man darüber bekommt, sind sehr wertvoll, weshalb ich es am liebsten nutze.
    Bei Schleppern kommt es meiner Meinung nach sehr darauf an, ich habe positive und negative Erfahrungen gemacht. Einmal habe ich tatsächlich weniger als meine Zimmergenossen bezahlt. Ich finde es nur schade, dass sie so super aufdringlich sind und so dazu betragen, dass man als Touri einfach gar nicht mehr angesprochen werden möchte, weil man so genervt ist.

    Eine kleine Ergänzung: Manche Hostels bieten schwarze Bretter mit Hosteln in anderen Städten und Empfehlungen von Gästen an. Leider ist das noch sehr selten, aber es lohnt sich So konnte ich zB in Myanmar, Peru und Costa Rica Unterkünfte finden, die weder im Internet, noch im Reiseführer waren.

    Keine Panik!

    1. Author

      Hi Alise,

      vielen Dank für deine Ergänzungen und den Tipp, auch auch schwarze Bretter zu achten.

      Viele Grüße,
      Ivana

  2. Auf Schlepper hab ich noch nie reagiert.
    Was mir auch bei booking.com schon mal passiert ist: die Unterkunft hat gar nicht existiert. Da sie aber auch nur 7 Euro gekostet hat, hab ich mich gar nicht drum gekümmert und mir vor Ort auf eigene Faust was gesucht. Damit hab ich eh die besten Erfahrungen gemacht.

    1. Ich reagiere da auch nur ganz selten, aber in Luang Prabang war es wirklich ein Glücksgriff. Mit Booking.com habe ich nur gute Erfahrungen gemacht und da gefühlt jeder inzwischen vorbucht, ist man fast auch dazu gezwungen. Das ist zumindest mein Eindruck. Früher ging es ja fast nicht anders als sich vor Ort was suchen. Ja, die gute alte Zeit 😉

      Viele Grüße,
      Ivana

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