Reisebericht aus Ägypten (2001): Nilkreuzfahrt von Luxor nach Assuan

Eine Kreuzfahrt – Warum nicht?

Eines schönen Abend, als wir wieder im Hotel waren und uns langsam mit dem Gedanken trugen, weiterzuziehen, kam meinem Freund mit der Gedanken an, wie es denn so wäre, per Schiff nach Assuan zu fahren. Und nicht mit einer Felukke, sondern mit einem richtigen Kreuzfahrtschiff. Keine schlechte Idee fand ich und nach einigem Hin und Her wegen des Preises und einer fast konspirativen Übergabe der Anzahlung in einem kleinen Laden mitten in Luxor ging es dann auch bald los.

nillandschaft_4Die Anzahlung verschwand auch nicht in dunklen Kanälen und wir quartierten uns für die nächsten 3 Tage an Bord eines Best-Western-5-Sterne-Nildampfers ein. Eine der komfortabelsten Unterkünfte auf meinen Reisen 😉

Auf dem Sonnendeck seinen Nachmittagstee oder bei Sonnenuntergang den Campari-Orange zu genießen, wow, das hat was. Und wenn langsam die Landschaft an einem vorbeizieht, die Wüsten, Palmen, Kamele und Lehmhütten, dann glaubt man wirklich, sich auf einer Zeitreise zu befinden und ein klein wenig habe ich mich wie dereinst Cleopatra gefühlt. Viel anders wird sie das Land auch nicht gesehen haben als ich. Einfach traumhaft. Wie es sich gehört, gibt es richtig gutes Essen auf so einem Schiff und auch Landausflüge. Wir hatten zwei, nämlich in Edfu und Kom Ombo.

In Edfu kann man sich einen Horustempel aus der Ptolemäerzeit anschauen und in Kom Ombo einen Tempel, der dem krokodilsköpfigen Gott Sobek geweiht ist.

Edfu

Gemütliche Tage in Assuan

Und dann kamen wir in Assuan an. Den letzten Tag verbrachten wir noch ganz gemütlich und dekadent auf dem Sonnendeck unseres Luxusliners, während die anderen Passagiere sich den Staudamm und den Isistempel von Philae anschauten. Das stand auch bei uns auf dem Programm, aber erst am nächsten Tag. Diese beiden Sehenswürdigkeiten und dazu den unvollendeten Obelisken sowie den Tempel von Kalabsha besuchten wir mit einem Taxi.

Das übliche Feilschen, das wir auf dem Schiff schon fast vermisst hatten, ging wieder von vorn los, aber irgendwann hatten wir einen Fahrer und absolvierten brav unser Besichtigungsprogramm.

Nun, den Staudamm und den Obelisken kann man sich meiner Meinung nach fast sparen, Kalabsha ist ganz schön, wenig Touristen und gut erhaltene Malereien, aber das Highlight ist der Philaetempel. Auch dieser wurde wegen des Nassersees auf ein trockenes Plätzchen versetzt und wurde sogar noch bis 6. Jahrhundert als Heiligtum der Isis genutzt.Philae

Doch nicht nur diese Sehenswürdigkeiten machen die Reise nach Assuan lohnenswert. Ich fand dort die schwimmenden Restaurants eine schöne Abwechslung und auch die Parks. Wir saßen dort ganz gemütlich, beobachteten die Menschen und erholten uns von unseren Besichtigungen. Wir waren die einzigen Touristen im Park und selbst eine kleine Attraktion. Und dann kam auch ganz schüchtern ein kleines Mädchen und schenkte mir Blumen. Die Kleine war richtig niedlich und ganz verschreckt, als ich mich auf arabisch bedankte. Ihre Mutter und ältere Schwester mussten dabei lachen. Es war richtig schön und wir verstanden uns in dem Moment ohne Worte.

Seine Versetzung war ein technisches Meisterwerk – Abu Simbel

Und wenn man schon in Assuan ist, dann sollte man auch nach Abu Simbel fahren. Wir wollten ganz gemütlich über den Nasser See fahren und uns die Ruinen anschauen. Abends um 22 Uhr kam dann einer aus dem Hotel und erzählte, dass das Boot einen Motorschaden hätte und wir nur per Flugzeug nach Abu Simbel kommen können. Ein Weg über Land war zu dieser Zeit leider nicht möglich, aber das hat uns auch das frühe Aufstehen erspart.

Allein der Flug war dann am nächsten Morgen ein Abenteuer. Nur mit einem Bording Pass bewaffnet kamen wir am Flughafen an und trugen uns per Hand in einer Passagierliste ein. Flugnummer, Abflugzeit, Flugticket, alles Fehlanzeige.

Aber nicht mundfaul haben wir uns durchgefragt und dann saßen wir doch tatsächlich im Flieger. Nun, auf dem Weg hin waren wir schon. Gelandet schlossen wir uns einfach unseren Mitreisenden an und mit dem Bus ging es weiter. Ein Italiener mit neongrünen Käppi war während unseres Aufenthaltes eine gute Orientierungsmarke und so wussten wir auch, wann wir wieder zurück mussten.

Aber erst hatten wir einige Zeit, um uns die Tempel, die Ramses II für sich und seine Lieblingsfrau Nefertari hat bauen lassen, anzuschauen.

abu_simbel_5

Die Lage ist schon toll, am See gelegen und zweimal im Jahr scheint die Sonne bis ins Allerheiligste. Innen ist Ramses als Osiris dargestellt und die Reliefs künden mal wieder von seinen Siegen. Wenn man sich den Aufwand überlegt, den der Bau gekostet hat. Ramses wäre sicher auch von den Rettungsaktionen in den 60ern beeindruckt gewesen, denn diese hatte wohl ähnlich monumentale Dimensionen.

Der nahe Tempel der Nefertari ist nicht ganz so groß, aber zeigt doch die Zuneigung des Herrschers sehr deutlich, denn Nefertari wird genau so groß dargestellt wie ihr Gatte. Und das zur damaligen Zeit…

Leider drängte irgendwann die Zeit und immer das grüne Käppi im Blick machten wir uns auf dem Weg zurück zum Flughafen. Ähnlich unproblematisch, d.h. ohne Ticket ging es wieder zurück nach Assuan. Erstaunlich, aber das ist eben Ägypten.assuan_nubdorf

In Assuan schauten wir uns noch die Insel Elephantine und das Nubische Museum an. Elephantine ist wirklich eine Erholung. Eine ziemlich verfallene Tempelanlage, ein schöner Garten und ein winziges Museum mit dem obligatorischen mumifizierten Kopf sind neben einem nubischen Dorf die Attraktionen. Auf jeden Fall sollte man die Insel besuchen, wenn man einfach mal ein wenig sich erholen möchte und einen gemütlichen Tag verbringen will. Das nubische Museum ist ein recht neues und sehr übersichtliches Museum mit teilweise sehr schönen Ausstellungsstücken, Ein Besuch lohnt sich auch hier, zumal die Gegenstände schon recht afrikanisch geprägt sind und sich daher von der typisch pharaonischen Kunst unterscheiden.

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