Reisebericht aus Italien (2002): Pisa – San Gimignano

Am nächsten Tag fuhren wir erst einmal nach Tirennia ans Meer. Der Tag war herrlich, die Sonne lachte und ich konnte das erste und einzige Mal in diesem Urlaub aus meiner Zip-Hose eine Shorts machen. Ein wenig in der Sonne faulenzen, ein Strandspaziergang, war richtig schön.

Pisa – Platz voller Wunder

Und Pisa war auch nicht weit. Zu unserer Schande muss ich ja gestehen, dass wir uns in Pisa auch nur den weltberühmten Campo dei Miracoli anschauten, obwohl die Stadt auch sonst wohl noch einiges zu bieten hat. Aber das haben wir uns für´s nächste Mal aufgehoben 😉 Beeindruckend ist der Campo allemal, auch wenn der Weg mit vielen, vielen Souvenirläden gepflastert ist. Wer schon immer mal einen kleinen Schiefen Turm haben wollte, Boxershorts mit einem Teilausschnitt von Michelangelo´s David oder den ganzen Campo in Mini, der kann sich hier austoben. Allen anderen sei ein rascher Gang an den Händlern vorbei empfohlen.

Der Platz selbst hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten: Da wäre natürlich der Schiefe Turm, die Kathedrale, das Baptisterium und der Camposanto. Die Hauptattraktion ist natürlich der Schiefe Turm. Der Grundstein wurde 1173 gelegt und schon nach 3 Stockwerken begann er sich zu neigen, weil der Boden nachgab. Dann passierte bis 1272 nichts, dann gingen die Arbeiten weiter. Es war eigentlich ein Stop-and-Go-Projekt und bereits seit 1298 wurde versucht, die Schieflage zu beseitigen oder den Turm irgendwie zu stützen. Aber ohne die Neigung wäre der Campanile ein Turm wie jeder andere, Pisa hätte ein anderes Markenzeichen und Galileo hätte vielleicht seine Experimente zur Schwerkraft nie gemacht. Aber so hat der Turm Geschichte geschrieben und alle Welt will ihn sehen und viele wollen ihn auch besteigen. Inzwischen kann das wieder, aber mir war es mit einem Extraeintritt von 15 Euro zu teuer.

Und schließlich gibt es auch noch andere interessante Dinge zu besichtigen. Den Camposanto zum Beispiel. Eigentlich ist das ja nichts anderes als ein großer Friedhof. Der Erzbischof Ubaldo de´ Lanfranchi hat mehrere Schiffsladungen Erde vom Berg Golgatha heranschaffen lassen (daher auch der Name, Heiliges Feld), damit man hier in heiliger Erde begraben werden konnte. Heute kann man ein riesiges Fresko, „Der Triumph des Todes“, viele Sarkophage und einen schönen Kreuzgang besichtigen. Wie bei allen Kathedralen in der Toskana gibt es auch hier ein Baptisterium, das größte der Welt übrigens. Das achteckige Taufbecken ist mit Marmor verziert und die Akustik ist einfach klasse. Man kann auch in die Galerie hinaufsteigen und in die Kuppel. Die ist zwar bis auf ein kleines Fenster geschlossen, aber von dem Fenster aus hat man einen schönen Blick auf den Campo. Die Kathedrale mit der marmornen Fassade und den Mosaiken ist auch eine Besichtigung wert, vor allem die Kanzel mit den plastischen Figuren ist beeindruckend.

In der Kathedrale selbst hängt auch noch eine Lampe, die Galileo beobachtet haben soll. Dabei sollen ihm die Gedanken zu den Pendelgesetzen gekommen sein. Legende oder Wirklichkeit? Weiterhin kann man sich auch das Sinopien-Museum anschauen. Grob gesagt sind Sinopien Entwürfe für Fresken, die mit einer braunroten Farbe direkt auf den Putz aufgetragen wurden. Da diese meist vom Meister selbst gezeichnet wurden, die Fresken aber oft von Schülern, sind diese Sinopien sehr wertvoll. Durch Zufall wurden sie entdeckt und gelten heute als eigenständige Kunstwerke. Das Museum haben wir uns aber nicht angeschaut, noch was für´s nächste Mal und wir waren auch, ehrlich gesagt, von den anderen Kunstwerken recht erschlagen.

San Gimignano – nicht nur in New York gibt es Wolkenkratzer

San Gimignano wird ja gern das Manhattan des Mittelalters genannt und wenn man sich so die Skyline der Stadt anschaut, dann weiß man auch warum. Die hohen Gebäude sind Geschlechtertürme, die nach dem Motto „Höher, Schöner, Mächtiger“ gebaut wurden. Einst gab es mal 71 dieser Türme, heute sind 15 übriggeblieben und einige kann man auch besichtigen und einen wunderschönen Blick auf die Stadt und die Landschaft genießen. In den Türmen wohnten früher ganze Großfamilien und besonders angenehm war das bestimmt nicht. Kleine Fensteröffnungen ließen kaum Licht und Luft und jeden Tag die ewigen Treppen rauf und runter, na ob das Spaß gemacht hat…

Der Torre Grossa, den ich bezwungen habe, ist mit 54 Metern der höchste Turm und war früher als Rathausturm das Maß aller Dinge. Kein Turm durfte höher sein. Bevor man die vielen Treppen hochläuft lohnt ein Blick in die Pinakoteka des Museo Civico, denn an den Wänden kann man einige Fresken und Bilder bestaunen. Der Ausblick vom Turm selbst ist einfach nur schön, das sollte sich keiner entgehen lassen! Das Treiben der Stadt beobachtet man am besten auf der Piazza della Cisterna. Sie bildet das Herz der kleinen Stadt und es gibt viele Eisdielen mit hausgemachtem Eis. Bei der Auswahl hatte ich die Qual der Wahl, welche Sorte ich nehmen soll. Lecker sind sie mit Sicherheit alle und Schokolade kann ich auf jeden Fall empfehlen. Der Brunnen in der Mitte der Piazza ist dann genau richtig für´s Eisschlecken und Touristenmassen beobachten. Besonders Damen in hochhakigen Schuhen auf Kopfsteinpflaster… Mit Trekkingschuhen läuft man da bestimmt besser, aber was tun nicht manche für die Schönheit… und ruinieren sich die Edelpumps und die Knochen ;-)) Von einem kleinen Garten hinter dem Torre Grossa hat man übrigens einen schönen Blick auf die Stadt mit den vielen Türmen. Auch wenn dort die Touris für das obligatorische Erinnerungsfoto Schlange stehen, der Blick (und das Foto ;-)) lohnen sich allemal.

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