Texel – kleine Insel und großer Genuss

Texel – kleine Insel und großer Genuss

Ich muss zugeben, bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung von Texel. Das hat sich mittlerweile geändert und falls du genau wie ich bis vor kurzem diese Insel nicht kennst, dann möchte ich dich heute auf eine kleine Reise über diese holländische Insel einladen.

Doch zuerst einmal möchte ich klarstellen, für wen die Insel geeignet ist und für wen nicht:

Du solltest Texel besuchen, wenn

  • Du Natur und Tiere toll findest,
  • Gerne radelst, am Strand spazieren gehst und wanderst,
  • Dich ein teilweise kräftiger Wind nicht stört,
  • Entschleunigen willst,
  • Du gerne genießt und
  • Schafe cool findest.

Von einem Besuch solltest du Abstand nehmen, wenn

  • Für dich zu einem Urlaub 30° Celsius und mehr absolut dazugehören,
  • Du ein aufregendes Nachtleben brauchst oder
  • mit dem geruhsamen Inselleben nicht zurechtkommst.

Als Frau allein kannst du übrigens ohne Bedenken die Insel besuchen. Das Leben hier ist tiefenentspannt und du kannst bedenkenlos mit dem Rad oder am Abend allein unterwegs sein.

So, nun lass uns aber die Inselrundreise starten!

Den Burg

Den Burg ist die Hauptstadt von Texel. Das klingt zwar im ersten Moment imposant, aber gerade das Zentrum ist sehr überschaubar. Einen Bummel solltest du dennoch machen, denn die Häuser sind schnuckelig, die Restaurants haben leckeres Essen und du kannst das lokale Bier, das auf Texel gebraut wird probieren. Hier findest du auch die größte Auswahl an Mitbringseln, die sich entweder um Schafe oder Seehunde drehen.

Den Burg liegt relativ zentral, wird vom Bus angesteuert und du kannst von hier aus alle anderen Orte prima erreichen. Es ist also die perfekte Basis für deinen Texel-Aufenthalt.

Ich habe zentral im Hotel De Lindeboom übernachtet. Wenn du keine großen Ansprüche stellst, dann sind die kleinen Zimmer im alten Flügel ok. Schöner sind natürlich die großen Zimmer, am besten mit einer kleinen Sitzgelegenheit draußen Richtung Westen, wo du am Abend in der Sonne sitzen kannst.

Das Restaurant Schoutenhuys direkt daneben gehört zum Hotel und hier sind die Texel Tapas meine absolute Empfehlung. Sehr lecker, sehr abwechslungsreich!

Oosterend

Wenn du nach Oosterend fährst, dann mache einen kurzen Stop in De Wal. Das ist auch ein winziger hübscher Ort und einen Blick wert.

Oosterend ist einfach schön und gerade die Gassen um die Kirche herum lohnen sich. Überall siehst du liebevoll Blumen arrangiert, bemalte Türen, nette Häuschen und manchmal schaut es fast ein wenig so aus, als ob ein Teil des Wohnzimmers auf die Straße ausgelagert wurde.

Oosterend ist definitiv einen Besuch wert und wenn du leckere hochprozentige Geschenke suchst, dann schau bei Danielle im Wijnhuis gegenüber der Kirche vorbei. Sie macht mit viel Liebe und Sachverstand leckere Liköre, Schnäpse und Rum. Im Keller bietet sie auch kleine Verkostungen an und du kannst gern probieren. Du wirst sicher deinen Favoriten finden. Ob es nun Glück oder Liebe wird, bleibt deinem Geschmack überlassen, denn so heißen nur einige ihrer Kreationen. Sie macht alles selbst, nur ab und zu hilft die Familie dabei.

Oudeschild

Oudeschild war früher ein bedeutender Hafen, denn von dort stachen unter anderem die Schiffe der Ostindischen Handelsgesellschaft in See. Auf Texel deckten sie sich noch mit Trinkwasser ein und warten teilweise monatelang darauf, dass der Wind aus Osten kam, statt wie üblich von Westen. Diesen Westwind habe ich übrigens mehr als ein Mal beim Radeln verflucht…

Heute ist davon nicht mehr viel übrig, aber den Hafen gibt es immer noch. Wenn du mit einem Krabbenkutter fahren willst oder die Seehunde auf den Sandbänken, dann legen die Schiffen hier ab.

Die echten Fischer sind übrigens von Montag bis Freitag auf See und wenn sie am Wochenende wieder im Heimathafen einlaufen, dann ist hier einiges los.

Aber auch so macht es Spaß, die Schiffe zu betrachten und auf dem Deich zu bummeln.

In Oudeschild solltest du dir auch das Museum Kaap Skil anschauen. Im Keller ist ein Modell der Stadt mit den vielen Segelschiffen nachgebaut. Mit Fernrohren kannst du in die winzige Stadt eintauchen und mit kleinen Animationsfilmen einen Einblick in den Alltag des 17. Jhdts erhaschen.

Im ersten Stock siehst du, was so im Laufe der Jahre alles aus den versunkenen Wracks geborgen wurde. Vom fast unversehrten Kaffeeservice über Kleidung und Waffen bis hin zu Flaschen mit Wein oder Rum gibt es so einiges zu bestaunen.

Draußen wartet eine Windmühle (ja, der holländische Klassiker), ein paar nachgebaute Häuser aus dem letzten Jahrhundert und eine Halle mit kuriosen Strandfunden auf dich. Die sogenannten Strandräuber – es gibt sie immer noch – sammeln nach jedem Sturm alles auf, was so an Land gespült wird. Da ist wirklich alles dabei. Motoren, Flaschen, Schutzanzüge, Airbags, Klobürsten, wirklich alles. Manche der Jutter, wie die Strandräuber auch genannt werden, haben auch einiges im Vorgarten. Wenn du also an einem Haus vorbeikommst und komische Sachen im Vorgarten siehst, dann kann das das Haus eines Jutter sein. Früher wurden die Fundsachen so gut es ging verwertet, heute werden auf diese Weise die Strände gerade nach Stürmen sauber gehalten.

Das Museum Flora an der Westküste widmet sich übrigens komplett den Strandräubern.

Es ist zwar größer, aber auch irgendwie aufgeräumter als als das Juttermuseum in Kaap Skil. Dort gibt es unter anderem Minen, Torpedos, Helme, Seile, Flaschen, Schiffe, Rettungsboote, Bojen und gefühlt tausend Sachen mehr. Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich mir mehr Zeit in Kaap Skil nehmen, das fand ich persönlich irgendwie uriger und in Verbindung mit der kleinen Zeitreise schöner.

Den Hoorn und Umgebung

So unter uns, die Kirche von Den Hoorn gehört zwar zu den meistfotografierten Gebäuden auf Texel, aber sooo spektakulär fand ich sie nicht.

Da war das Cafe Inn der Kip schon witziger, denn das ist eine Mischung aus Omas Wohnzimmer, einem Antiquitätenladen, einen Cafe und einem Flohmarkt. Das Cafe hat wirklich Charme, das Essen ist lecker und der erste Stock, wo es zu den Toiletten geht, ein Hingucker. Und probiere den Apfelkuchen! Die Holländer können richtig guten Kuchen backen!

Ganz in der Nähe ist der Erlebnisbauernhof Bonte Belevenis. Ok, Erlebnisbauernhof klingt im ersten Moment nicht wirklich spannend, es sei denn, du bist mit Kindern unterwegs. Aber der Hof ist ein kleines Paradies und dort kannst du sehen, wie Seife gemacht wird, Kerzen gegossen werden oder Papier geschöpft. Der Hof hat eine eigene kleine Bäckerei, eine Brauerei und eine Destillerie, wo Whisky gebrannt wird. Natürlich kannst du die Produkte auch kaufen und sie sind mit viel Liebe gemacht. Teilweise sind auch behinderte Menschen dort beschäftigt und mit einem Besuch unterstützt du die Idealisten, die diesen Hof mit großer Leidenschaft betreiben.

Wenn du ein wenig Glück hast, dann siehst du auch gegenüber die wilden Exmoorponies grasen.

Nordspitze

Wie jede Insel hat natürlich auch Texel einen Leuchtturm. Der leuchtet zwar immer noch, aber es gibt keinen Wächter mehr. Du kannst natürlich nach oben steigen und von da aus den Blick auf den Strand und das Meer genießen. Einen noch besseren Blick von oben hast du nur noch bei einem Rundflug und dann siehst du die ganze Insel.

Am Strand bei einer steifen Brise sind die Kite-Surfer unterwegs und du kannst einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Dünen machen. Der Wind, die salzige Luft, das ist einfach herrlich.

Natur

Die Natur ist einfach toll und für mich war es doch stellenweise ziemlich überraschend.

Bei Dünenlandschaften habe ich mir eine Mini-Ausgabe der Sahara mit Sanddünen vorgestellt, war dann aber doch etwas überrascht, als ich durch Heidelandschaften gewandert bin oder die Dünen doch ziemlich bewachsen waren.

Das hätte ich nicht erwartet, aber ich lerne auch nach vielen Reisen eben nicht aus.

Auf Texel gibt es unglaublich viele Naturschutzgebiete und du kannst dort auch schön wandern. In der Nähe von Den Hoorn leben neben den Exmoorponies auch schottische Hochlandrinder. Beide halten die Dünenlandschaft von schnellwachsenden Gräsern und Büschen frei, so dass die Heidelandschaft ihren Eigenart bewahrt.

Texel ohne Schafe geht nicht. Sie gehören einfach dazu und es gibt deutlich mehr davon als Menschen. Die meisten Schafe sind die typischen Texel-Schafe mit dem breiten Rücken, aber hin und wieder siehst du auch andere Arten.

Die Texel-Schafe sind Fleischschafe und die meisten landen früher oder später auf dem Teller. Die Wolle wird aber genauso verarbeitet wie die Milch.

Für Tierfreunde bietet sich ein Besuch im Ecomare an. Das ist eine Seehundauffangstation mit beeindruckenden Walskeletten, Aquarien, 2 Schweinswalen und unterschiedlichen Robben- und Seehundarten. Die Tiere, die hier gehalten werden, wurden abgegeben, waren verletzt oder sind an Land gespült worden wie die beiden Schweinswale. Die waren noch zu klein und konnten nicht alles von der Mutter lernen. In freier Wildbahn würden sie nicht überleben, also bleiben sie im Ecomare und sind Botschafter für ihre Art.

Bei den Seehunden sieht man teilweise noch die Verletzungen, manche sind blind und hätten auch keine Überlebenschance. Das Ecomare ist weder eine Delfinshow noch ein Zoo, sondern klärt über die Tiere auf, über die Gefahren, die ihnen drohen und ist ein sehr engagiertes Projekt. Die Tiere werden hier aufgepäppelt und dann wieder ausgewildert.

In dem zum Ecomare gehörendem Areal kannst du auch zwei Wanderungen durch die Dünenlandschaft unternehmen.

Essen & Trinken

Texel ist durchaus auch eine Genießerinsel. Hier werden unglaublich viele regionale Produkte hergestellt und die sind wirklich lecker.

Fisch und Krabben gehören genauso einmal auf den Teller wie Lamm. Eigentlich. Ich muss zugeben, außer 2 Scheiben Lammschinken habe ich es nach etlichen gestreichelten Lämmern nicht übers Herz gebracht, einen Lammbraten zu essen.

Kuchen, gerade Apfelkuchen, ist hier richtig gut, genauso wie das Eis, das du am besten bei Labora, dem Eisbauernhof genießt. Omas Apfelkuchen als Eis…herrlich!

Wenn du es lieber herzhaft magst, dann solltest du Käse probieren und nein, die Holländer machen nicht nur Gouda, sondern auch Käse mit Bockshornklee, Senfsamen, Kräutern, Schafskäse, Ziegenkäse und und und. Nur das Fondue sollten sie lieber den Schweizern überlassen 😉

Auf Texel gibt es auch noch eine Brauerei und der lokale TX Gin mit Dünenwasser, Wacholder, Koriander, Holunder, Sanddornbeeren, Orangenschalen, Kardamom ist etwas ganz Besonderes.

Darüber hinaus wir auf Texel noch Schokolade, Rum und Whisky hergestellt.

Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie viel leckere regionale Sachen hier gezaubert werden. Für Genießer ist Texel ein echter Geheimtipp!

Wellness-Tipp

Wenn du dir etwas wirklich Besonderes und einmaliges gönnen willst, dann buche im Boutique Hotel Texel ein Wollbad. Du wirst in zartes Wollvlies und eine Wolldecke eingepackt, deine Hände und Füße bekommen eine Extra-Portion reichhaltige Creme und dann heißt es entspannen.

Ich fand es nicht wirklich heiß, sondern angenehm warm und kuschelig. Es hat auch nicht gekratzt und ich bin da echt zimperlich. Im Gegenteil, ich konnte mich wirklich gut entspannen und dank des Lanolins in der Wolle war die Haut danach wunderbar weich.

So ein Wollbad bekommst du nur in diesem einen Hotel und nur auf Texel.

Die Küche dort ist übrigens auch lecker und es gibt auch einen schönen Spa-Bereich. Eine Nacht solltest du dir den Luxus gönnen.

Praktische Tipps:

Anreise:

Du erreichst Texel nur mit der Fähre von Den Helder. Diese fährt mindestens stündlich, in den Ferien teilweise alle 30 Minuten. Für die Fahrt von Den Helder brauchst du ein Ticket, für die Rückfahrt nicht. Die Fähre ist auch für Autos geeignet, aber an den Wochenenden oder in den Ferien können sich schon mal lange Schlangen bilden. Da brauchst du viel Geduld.

Unterwegs auf der Insel

Du bist in Holland… also ist das Rad das ultimative Fortbewegungsmittel. Das kann aber schon recht anstrengend werden, wenn du Gegenwind hast. Der kommt meist aus Westen oder Nordwesten. Bedenke das, wenn du längere Touren planst oder miete dir ein E-Bike.

Mit dem Auto kommst du fast überall hin und es fahren auch Busse. Diese fahren aber nur stündlich oder du musst dir mindestens eine Stunde vorher den Texelhopper bestellen. Du bist also nicht wirklich flexibel, wenn du auf den Bus angewiesen bist. Unproblematisch ist es, mit ihm von der Fähre nach Den Burg zu kommen und zurück.

Mit dem Auto

Du brauchst für die bezahlten Parkplätze eine Parkvignette, die du online bestellen kannst

Geld & Preise

Du kannst fast überall alles mit der normalen EC-Karte bezahlen. Euros werden natürlich auch in bar genommen.

Vom Preisniveau ist Texel her ok, wenn du bedenkst, dass es eine Insel ist. Hier wird unglaublich viel selbst hergestellt, aber vieles muss auch vom Festland hergebracht werden. In vernünftigen Restaurants bekommst du kaum ein Hauptgericht unter 15 Euro und Alkohol ist wegen der Steuern auch nicht billig. Dafür ist die Qualität des Essens in der Regel richtig gut.

Camper können sich in den Supermärkten selbst verpflegen.

Sprache

Die meisten Einheimischen sprechen deutsch, denn nach den eigenen Landsleuten sind Gäste aus Deutschland die größte Besuchergruppe. Und mit ein wenig Phantasie lässt sich zur Not auch die Speisekarte entziffern, wenn mal keine deutsche greifbar sein sollte.

 

Damit sind wir mit unserer kleinen Inselrundreise am Ende angelangt. Ich kann dir Texel gerade für einen Kurzurlaub wärmstens ans Herz legen. Ich war fast eine Woche dort und langweilig ist es mir nie geworden.

Und ich will nicht ausschließen, dass ich mal wiederkomme, denn so klein die Insel ist, sie hat doch unglaublich viel zu bieten – viel Natur, viel Genuss und viel Entschleunigung.

Und jetzt du: Kennst du Texel? Warst du schon einmal dort? Hast du noch einen Geheimtipp? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

{Offenlegung: Nach Texel wurde ich vom VVV Texel, dem Verkehrsverein, eingeladen. Vielen Dank dafür! Auf meinen Bericht hat das keinen Einfluss und mir wurden auch keine Vorgaben hinsichtlich des Inhalts gemacht. Einen Teil der Kosten habe ich selbst getragen.}

 

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