Was Reisen und Tauchen mit meinem neuen Leben zu tun hat

Heute wird es persönlich und es geht auch nur am Rande ums Reisen. Wenn Du also Reise- oder Tauchtipps erwartest, dann warne ich Dich gleich vor, das kommt definitiv nicht. Dafür aber ein Einblick in das, was mich so bewegt und was der Tauchschein für mich bedeutet.

Wie Du vielleicht mitbekommen hast, habe ich mir für 3 Monate eine Auszeit genommen und war in Asien unterwegs. Ich muss ehrlich sagen, es ist mir dieses Mal schwerer gefallen als sonst, mich auf das Reisen und meinen eigenen Rhythmus einzustellen. Zuviel ist vorher passiert, ich komme in eine ungewisse Zukunft zurück, auch wenn ich schon sehr konkrete Pläne habe, aber es gibt zu viele Variablen in der Gleichung.

Aber genau deshalb war diese Reise für mich so wichtig und auch die Tatsache, dass ich es endlich geschafft habe, meinen Tauchschein nach etlichen Jahren endlich in Angriff zu nehmen. Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet, ich weiß nicht, ob ich es gemacht hätte. Aber einmal mittendrin, da ging kneifen gar nicht.

Letztendlich war diese Reise für mich noch einmal eine deutlich Lektion in Sachen Vertrauen. Vertrauen in mich, in meine Fähigkeiten, ins Leben, in andere Menschen und schließlich in die Tatsache, dass sich alles finden wird und am Ende gut ausgeht.

Ich will Dir dazu ein paar Beispiele geben, einige sind banal, bei anderen hatte ich echt Bammel, dass es schief geht. Ging es aber nicht, sonst würdest Du diesen Artikel nicht lesen:

Zimmersuche ohne Reservierung

Ich bin in einigen Orten spontan angekommen, weil ich mal wieder meine Pläne geändert habe. So bin ich an manchen Orten kürzer, an anderen länger geblieben als geplant und hatte daher keine Möglichkeit, vorab mein Zimmer zu reservieren. Nicht so optimal an Touristenorten und zur Hochsaison, aber ich habe immer eine nette Unterkunft gefunden. Also einmal bitte eine Dosis Vertrauen, dass sich alles findet und ich nicht irgendwo am Strand schlafen muss.

Lektion 1: Es findet sich immer eine Lösung (=Zimmer in dem Fall)

Mit dem Moped durch Sulawesi

Vor etlichen Jahren hatte ich mal als Sozia einen Unfall in Griechenland. Danach habe ich mir geschworen, nie wieder hinten auf ein Motorrad, einen Roller oder irgendetwas in der Art zu steigen. Auf eine Wiederholung eines Motorradunfalls hatte ich nämlich keine Lust.
Und dann war ich in Sulawesi und keine andere Möglichkeit, verschiedene Orte zu besuchen, als eben mit einem Motorrad. Da war guter Rat teuer, aber ich habe dann in die Fertigkeiten meines Guide vertraut und darauf, dass er ja auch seine Maschine nicht demolieren will. Und dass er mit diesem chaotischen Verkehr aufgewachsen ist und es daher relativ sicher ist. Und dass hier alle irgendwie aufeinander aufpassen und keiner so wie in Deutschland auf der Vorfahrt besteht, egal was da kommen mag.

Ich habe also mal kurz (ok, etwas länger…) geschluckt und bin aufgestiegen, denn ich wollte ja auch alles mögliche sehen. Und siehe da, alles war gut und ich hatte tolle Erlebnisse.

Lektion 2: Vertrauen in andere Menschen und deren Fähigkeiten und Erfahrungen. Ich kann nicht alles selbst machen und manche können gewisse Dinge besser als ich selbst. Und schlechte Erfahrungen müssen sich nicht wiederholen.

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Mit den Rettungswesten an Deck

Als ich von Lombok mit dem Boot zu den Komodo-Waranen gefahren bin, lief der Motorraum voll Wasser. Um Mitternacht wurden wir aus dem Schlaf geschreckt und es hieß alle Mann Rettungswesten anlegen. Uff…., das war schon starker Tobak, mitten auf dem Meer, mitten in der Nacht und Wassereinbruch.

Erst wusste keiner so recht, was Sache war, aber das hat sich dann schnell geklärt. Die Pumpe war verstopft und als das behoben war, dann war auch der Motorraum schnell wieder trocken.

Lektion 3: Siehe Lektion 2 plus einmal tief durchatmen. Panik bringt nie was, sondern macht die Situation schlimmer. Einen kühlen Kopf bewahren zahlt sich aus. Vertraue darauf, dass die meisten Situationen nicht so schlimm sind, wie sie sich zuerst anfühlen. Und ein Selfie geht fast immer.

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Tauchschein

Vor vielen Jahren habe ich mal in Mexiko einen Schnuppertauchgang gemacht und seit der Zeit wollte ich den Tauchschein machen. In gekachelten Schwimmbädern in Deutschland war es mir zu öd, im Ausland hatte ich Bedenken, dass ich nicht alles zu 100% verstehe. Auf Gili Air hatte ich dann die Möglichkeit, ihn auf Deutsch zu machen, also habe ich die Chance ergriffen.

Und dann kamen die Übungen unter Wasser: Atemregulator raus, Regulator verlieren und wiederfinden, Maske ausblasen, Maske runternehmen, aufsetzen und ausblasen, Notaufstieg, dem Tauchpartner in einer Notlage helfen und sich auch helfen lassen. Dazu kam bei mir die leichte Panik, dass ich mich unter Wasser nicht anfassen lassen mag, nachdem mich mal ein Typ am Fuß gepackt und unter Wasser gezogen hat.
Aber ich wollte den Schein und musste mich wirklich stark überwinden, um diese Übungen zu machen, erst im Pool, dann im Meer. Und mich nach hinten vom Boot fallen lassen. Und mich vom Tauchlehrer festhalten lassen.

Ich dachte, ich schaffe es nie, aber mit viel Geduld meiner Tauchlehrerin und mit mir selbst habe ich alles geschafft, auch wenn ich einiges schlucken musste, meine Angst und Salzwasser…

Lektion 4: Vertraue auf Dich, Du schaffst mehr als Du Dir im ersten Moment zutraust. Du musst Dich vielleicht überwinden, aber es lohnt sich. Der Spruch stimmt tatsächlich, dass Du mit Deinen Herausforderungen wächst. Und was ist das für ein geiles Gefühl, wenn Du es dann geschafft hast!

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Vor allem Lektion 4 war für mich unheimlich wichtig, mir selbst zu zeigen, zu beweisen, was ich alles schaffen kann, wenn ich mir vertraue, wenn ich auch anderen vertraue, die mir Mut zusprechen und einfach mache.
Wenn ich wieder in Deutschland bin, will ich mit meinen neuen Projekten durchstarten.
Ich hatte die ganze Zeit Zweifel, ob ich es kann, ob ich qualifiziert genug bin, ob es überhaupt jemand interessiert, was ich anbieten werde, ob ich dann am Ende auch mein Leben damit bestreiten kann.

Und weißt Du was? Ich bin sicher, dass es klappen wird. Vielleicht, nein, Qutasch, sicher werde ich den ein oder anderen Rückschlag haben oder immer mal wieder Angst haben, dass ich es nicht packe. Aber so wie jetzt auf der Reise und vor allem beim Tauchschein werde ich es eben nochmal und immer wieder probieren, vielleicht auch mal anders, aber letztendlich wird es klappen. Am Ende des Tages werde ich mindestens genauso stolz auf mich und meine Arbeit sein, wie in dem Moment, in dem ich nach den ganzen Übungen aufgetaucht bin und wusste, ich habe das Ding in der Tasche.

Und jetzt Du: Was war Deine wichtigste Lektion, die Du unterwegs gelernt hast? Wie hälst Du es mit dem Vertrauen in Dich und andere? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.
Bevor ich es vergesse, denke daran, dass Deine Grenzen nur im Kopf existieren.

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4 Kommentare

  1. Liebe Ivana
    Ich Danke dir für dein Hiersein und dein Durchhaltevermögen und dein immer wieder Posten auch wenn nur selten Resonanz kommt. Schriftlich mein ich. Ich weiss wieviel Mühe es kostet und wie traurig man oft ist, wenn Postings nicht beantwortet werden.
    Ich schätze deine Worte und Gedanken sehr, deshalb DANKE
    Sophie

    1. Author

      Liebe Sophie,

      vielen Dank für Deine lieben Worte und Dein Mitlesen. Ich hoffe, es macht Dir auch weiterhin Spaß mitzulesen 🙂

      Liebe Grüße,
      Ivana

  2. Mir gefallen solche Posts immer besonders gut… dann merke ich, dass auch alle anderen “nur mit Wasser kochen” (= auch nicht so ganz ohne Zweifel auf Reisen gehen). Daher ein dickes Danke für diesen Beitrag.

    Und was lerne ich (immer wieder) auf Reisen?
    – dass es woanders eben anders ist als zu Hause
    – dass es auch anders funktioniert als zu Hause (und als gewohnt/geplant)
    – dass ich zum Glücklichsein nicht viel brauche
    – dass es überall auf der Welt nette, interessante, freundliche, hilfsbereite, kluge, weise (…) Menschen gibt
    – dass ich als Gast oder Freund begrüßt und behandelt werde (und sollten wir uns das nicht im Moment ganz besonders zu Herzen nehmen und Menschen, die aus großer Not zu uns flüchten, Willkommen heißen?)

    1. Author

      Liebe Zypresse,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, wir kochen alle nur mit Wasser und ich denke, es macht auch anderen Mut, wenn sie genau das auch sehen. Wenn sie merken, dass man auch nach 25 Jahren Solo-Reisen auch so seine Momente hat, die nicht alltäglich sind oder eben nicht so angenehm. Auf die Aktion mit den Rettungswesten hätte ich allemal verzichten können 😉
      Und was die Gastfreundschaft angeht, ja, da könnten wir uns ein Scheibchen davon abschneiden.

      Liebe Grüße,
      Ivana

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